Eine Mund-Nasen-Maske liegt auf einer Wiese in einem Park.

Es dürfte Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein: Gesundheitsminister Spahn erklärte jetzt, dass ein so drastischer Lockdown wie im Frühjahr nicht nötig gewesen sei. Daraus sollte man jedoch nicht die falschen Schlüsse ziehen, warnt unser Kommentator.

Jetzt bitte nicht die falschen Schlüsse ziehen! Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, mit dem Wissen von heute hätte man den Einzelhandel und etwa Frisörgeschäfte nicht schließen müssen, dann ist dabei ganz wesentlich der Zusatz: "Mit dem Wissen von heute." Oder wie es der frühere CDU-Kurzzeitgeneralsekretär Ruprecht Polenz sagt: "Mit dem Wissen vom Montag hätte ich meinen Lottoschein anders ausgefüllt."

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Und das ist der springende Punkt: Im Spätwinter und Frühjahr wussten wir nicht mehr. Wir sahen, dass die Pandemie rasant um sich griff. Wir sahen in anderen Ländern, dass man nicht mehr alle Kranken angemessen behandeln konnte und die furchtbare Entscheidung getroffen werden musste, wer noch behandelt wird - wer noch an ein Atemgerät angeschlossen wird. Klar, jetzt kann man fragen, warum wir damals nicht schon mehr wussten.

Richtige Annahmen, aber keine Blaupause

Es gibt schließlich seit Jahren dieses Szenario für den Bundestag, wie eine Pandemie entstehen könnte und was dagegen zu tun wäre. Aber es war trotz vieler richtiger Annahmen eben keine Eins-zu-Eins-Blaupause für die jetzige Corona-Pandemie. Es ist richtig, dass es erst mal nicht genügend Masken gab. Aber wir wussten eben auch nicht, wie weit sie wirklich schützen – vor allem andere schützen, weniger einen selbst.

Dass selbst Virologen erst mal recht wenig von Masken hielten, mag heute verwundern. Doch der Übertragungsweg des Virus war noch nicht ausreichend bekannt. Wenn Maßnahmen von damals gegen die Pandemie also aus heutiger Sicht überzogen scheinen: Im Licht der damaligen Entwicklung sind sie es nicht. Und die Einsichten von heute sind leider kein Freibrief für morgen. Denn vorbei ist die Pandemie noch lange nicht.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 02.09.2020, 15 bis 18 Uhr

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