Joe Biden und Donald Trump US-Wahl 2020

Die Wahl in den USA wird eine richtungsweisende. Wer kann das Rennen für sich entscheiden? Unsere Washington-Korrespondenten sind sich uneinig.

Biden gewinnt, weil die Mehrheit die Nase voll hat von Trump

Von Claudia Sarre

Ich glaube, dass Joe Biden die Wahl gewinnt, weil die Mehrheit der Amerikaner die Nase voll hat von einem Präsidenten, der fortwährend stänkert, lügt, provoziert und sich selbst über den grünen Klee lobt. Anstatt wie Trump Hass und Zwietracht zu säen, wird Joe Biden alles dafür tun, um die heillos zerstrittenen Amerikaner zu versöhnen.

Anstatt die Corona-Krise kleinzureden, wird Joe Biden effektive Corona-Maßnahmen wie zum Beispiel eine nationale Maskenpflicht anordnen und so die Pandemie unter Kontrolle bringen. Anstatt die USA weltweit zu isolieren, wird Joe Biden die internationalen Beziehungen reparieren und so das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Welt wiederherstellen.

Biden wird dem Amt wieder Würde verleihen

Der Demokrat wird endlich in den Klimaschutz investieren und damit zig neue Jobs schaffen. Er wird sich nicht nur für die Rechte von Minderheiten einsetzen, sondern auch für eine staatliche Krankenversicherung sorgen, die sich auch Menschen mit geringem Einkommen leisten können. Er wird gegen die Ungleichbehandlung von Schwarzen und Weißen kämpfen. Und er wird dem Präsidentenamt wieder Würde verleihen. Nicht zuletzt hat die Mehrheit der Amerikaner erkannt, dass vier weitere Jahre unter Trump dem Land enorm schaden würden.

All das sind gute Gründe, weswegen Joe Biden die Wahl gewinnen wird. Bei allem Optimismus bleiben jedoch zwei Dinge traurige Gewissheit: Auch wenn der nächste US-Präsident Joe Biden heißt, wird die Zerrissenheit unter den Amerikanern auf lange Sicht bestehen bleiben. Und: Es wird vermutlich Jahre dauern, bis der Trümmerhaufen abgetragen ist, den Donald Trump hinterlassen hat. 

Trump gewinnt, weil er der bessere Mobilisator ist

Von Arthur Landwehr

Ich glaube, dass Donald Trump die Wahl gewinnt, weil er der bessere Mobilisator ist. Millionen gehen diesmal zur Wahl, die es 2016 nicht getan haben, darunter werden viele sein, die er überzeugt hat, dass man etwas dafür tun muss, weiterhin einen Präsidenten Trump zu haben. Biden-Wähler wollen vor allem eines: Trump weg, aber nicht unbedingt Biden im Amt. Der ist ihnen egal, und deren Motivation endet oft schon bei Regen oder wenn man keinen Parkplatz findet.

Kaum Arbeitslosigkeit, steigende Löhne, weniger Steuern

Die wichtigste Frage aller Amerikaner vor jeder Wahl: Geht es mir heute besser als vor vier Jahren? Die weit überwiegende Mehrheit hätte im Februar gesagt: Auf jeden Fall! Kaum Arbeitslosigkeit, steigende Löhne, weniger Steuern, ein Aktienmarkt, der die eigene Rente dramatisch verbessert. Covid hat das verändert, aber Hilfen für kleine Unternehmen und eine Arbeitslosenunterstützung wie jetzt hat das Land noch nicht erlebt. Bis zum Sommer haben manche arbeitslos mehr verdient als vorher im Job, die Zahl der überschuldeten Haushalte ist deutlich gesunken. Daran denken Menschen, wenn sie ihr Kreuz machen.

Das Wichtigste: Der Trend spricht für Trump. Bidens Abstand in wichtigen Bundesstaaten schrumpft und wieder scheinen sich in den Umfragen viele Anhänger nicht zu ihm bekannt zu haben. Es ist nicht schick, in der bürgerlichen Vorstadt mit Rasen und Doppelgarage Trump zu mögen. Aber seine Angsttaktik, dass die Unruhen aus den Innenstädten ins Idyll überschwappen, hat gegriffen, die Sorge, dass ein Obama-Gesetz Sozialwohnungen in die Nachbarschaft bringt, die den Wert der eigenen Immobilien implodieren lassen. Die Soccer Moms und Dads aus Suburbia geben sich gern liberal, aber wenn es darum geht, ihren Lebensstil zu schützen, wählen sie Trump.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 2.11.2020, 6 bis 9 Uhr

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