Während des EM-Spiels gegen Ungarn wird das Stadion in München nicht in den Regenbogen-Farben leuchten.

Regenbogenfarben in sozialen Netzwerken als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung sind gut. Mit Blick auf die WM in Katar muss sich die Energie der Solidarität jedoch vertausendfachen - sonst war sie kaum mehr als ein emotionales Strohfeuer.

Da gibt’s nix zu diskutieren: Der Orban Viktor ist mit seinem Gesetz und seinen Fidesz-Kumpanen ein erzreaktionärer Populist. Ein buntes Münchner Stadion wäre schön gewesen – shame on you, UEFA! Und trotzdem die Frage: Was bleibt eigentlich von den hunderttausenden Regenboden-Solidaritätszeichen in den sozialen Netzwerken und in den Medien?

Leicht, sich in einem freien Land zu solidarisieren

Es ist so leicht, sich in unserem freien Land zu solidarisieren: Regenbogen ums Twitter-, Facebook-, Instagram-Profil, in den WhatsApp-Status – schwups, ich bin auf der richtigen Seite und bekomme Likes von den richtigen Leuten.

Gleichzeitig liegt die FIFA in den letzten Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft in Katar. Im Vergleich zu den Potentaten am Golf ist der Orban Viktor – in Ungarn Nachnamen immer zuerst – ein aufgeklärter, beinahe toleranter Zeitgenosse. In Katar ist Homosexualität unter Erwachsenen ein schweres Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wird - und nicht nur das.

In Katar herrscht offiziell und politisch ein brutales, toxisches Männlichkeitsbild, das Frauen und Homosexuelle unterdrückt. Frauen dürfen nur mit der Erlaubnis des männlichen Vormunds heiraten, im Ausland studieren und so weiter. Eine Frau ist nur halb so viel wert wie ein Mann, wenn es um Entschädigungen geht. Homosexuelle wandern sowieso in den Knast.

Energie muss sich vertausendfachen

Deshalb ist zu hoffen, dass all die Energie der Solidarität mit ungarischen Homosexuellen in Bezug auf Katar nochmal vertausendfacht wird. Es müsste ein breites Bündnis aufgeklärter Staaten und Gesellschaften geben, um diese höchst zweifelhaft entstandene, auch klimatisch total absurde WM noch abzusagen oder zu boykottieren.

Wenn diese Energie, die beim Spiel Deutschland gegen Ungarn mit allen Solidaritäts-Selbstvergewisserungen entstanden ist, nicht viel kraftvoller wird in Bezug auf Katar, dann war sie ein emotionales Strohfeuer und dann ist sie ziemlich sinnlos verpufft.

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