Amazon-Gründer Jeff Bezos bei der Inspektion der Stattrampe vor dem Jungfernflug seines Raumfahrzeuges "New Shepard"

Richard Branson, Jeff Bezos und Elon Musk inszenieren sich als Retter der Menschheit. Sinnvoll sind ihre Vorhaben im Weltall deshalb aber noch lange nicht.

Teuer, umweltschädlich und wissenschaftlich völlig unnütz – so lautet die Kritik am Weltraumrennen, das sich derzeit drei Milliardäre in den USA liefern. Der Chef des UN-Welternährungsprogramms rief dazu auf, das Geld lieber im Kampf gegen den Hunger auszugeben. Und angesichts der brennenden Westküste der USA und Überflutungen in Europa wirkt das Raumfahrt-Abenteuer der milliardenschweren Weltraum-Cowboys umso grotesker.

Forschung auf der Erde einfacher

Doch müssen Richard Branson mit seiner Weltraumfirma Virgin-Galactic, Ex-Amazon Chef Jeff Bezos und auch Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk sich diese Vorwürfe gefallen lassen? Legen wir einen viel zu engen ethischen Maßstab an sie an? Nein, denn die drei Milliardäre inszenieren sich selbst als nichts Geringeres als die Retter der Menschheit. Bezos, Branson und Co wollen uns weismachen, dass es ihnen beim Weltraumtourismus um mehr geht als ein Geschäft. Elon Musk und Jeff Bezos schwebt vor, einen Teil der Menschheit ins All zu verfrachten. Bezos träumt von einem rotierenden Zylinder im Weltall. Elon Musk möchte eine Kolonie auf dem Mars besiedeln.

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Dabei gehen die Weltraumfahrt-Enthusiasten wie Musk und Bezos davon aus, dass die Menschen einen Plan B brauchen, eine Alternative zur Erde, weil wir auf dem besten Wege sind, diese zu zerstören. Damit mögen sie recht haben. Aber: Die Forschung zu globalen Fragen der Erderwärmung oder die Bekämpfung von Krankheiten sind auf der Erde leichter zugänglich, weniger risikoreich und vor allem billiger. Die Anstrengungen, eine Art zweite Erde mit idealen Bedingungen zu erschaffen, sind enorm.

Zynische Argumentation

Zynisch finde ich die Argumentation vor allem, weil die  Milliardäre auch Teil des Problems sind. Um der Klimakrise etwas entgegenzusetzen oder sie nicht noch weiter zu verschlimmern, müssen CO2-Emissionen reduziert werden. Der CO2-Fußabdruck allein des Handelsriesen Amazon von Jeff Bezos ist beträchtlich. Richard Bransons Flugunternehmen Virgin Airlines dürfte ebenfalls einen kräftigen Anteil haben. 

Was mich außerdem ärgert: Die Milliardäre glauben offenbar, dass sie uns mit kitschigen Sprüchen ködern können. Richard Branson schwärmte nach seinem Weltraumausflug davon, wie “unbeschreiblich schön” die Erde sei. Von einer neuen Wertschätzung gegenüber unserem Planeten ist immer wieder die Rede. Wenn man ihn einmal von oben gesehen hat, so meint Jeff Bezos. Doch diese Liebe kann man getrost auch ohne Ausflug ins Weltraum aufbringen. Vor allem dann, wenn man sieht, wie schlecht es unserem Planeten geht - Stichwort Rekordhitze, Brände, Starkregen. Das sieht man übrigens auch vom Boden aus. 

Es geht ums Geschäft

Nein, wenn Jeff Bezos ins All abhebt, um zunächst den Weg für den Weltraumtourismus zu ebnen, dann geht es mal wieder ums Geschäft, einen Milliardenmarkt - und gleichzeitig um ein überteuertes Hobby von reichen, älteren Männern, die damit ihr eigenes Ego befriedigen wollen.

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 Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wider.

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