Männertag

Braucht es einen Tag, der die Stellung des Mannes betont? Sicher nicht, meint unser Kommentator. Männer hätten zwar auch Sorgen und Probleme, doch die sind meistens nicht an ihr Geschlecht gebunden.

Ich habe Glück gehabt. Ich bin ein weißer Mann und habe keine Probleme mit Rassismus oder Sexismus. Ein Privileg, dass ruhig gefeiert werden kann heute am Internationalen Männertag - ich habe schon den Sekt kaltgestellt und freue mich, heute Abend so richtig die Sau rauszulassen. Endlich ein Tag, an dem meine Sorgen und Probleme mal wichtig sind.

Aber Moment, was für Sorgen habe ich eigentlich, dass ich dafür einen internationalen Feiertag brauche? Dass ich nach meinem Studium nur schwer einen Job finden werde, dass ich keine Ahnung habe, wie ich mal im Alter leben soll oder wie der Klimawandel aufgehalten werden kann, das sind alles Dinge, die nicht an mein Geschlecht gebunden sind. Frauen haben diese Sorgen auch - und dann kommt da noch die Sache mit dem Sexismus oben drauf. Ach, und dass Frauen immer noch die sind, die für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kämpfen müssen.

Jahrzehntelanger Kampf für Gleichberechtigung

In einem Artikel, den ich für die Recherche zu diesem Text gelesen habe, wird die Relevanz des Internationalen Männertages damit begründet, dass in den letzten Jahrzehnten die Probleme der Frauen zunehmend in den Vordergrund getreten seien und die der Männer nicht mehr wahrgenommen würden. Oh nein, nach Jahrhunderten der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts und vielen Jahrzehnten Kampf für eigene Rechte wagen es diese Frauen, ihre Probleme vor die der Männer zu stellen! Jetzt ist natürlich immer wieder das Argument der Gleichberechtigung zu hören: 'Wenn es einen Internationalen Frauentag gibt, muss es auch einen Internationalen Männertag geben.' Nein, muss es nicht. Männer sind nie zu kurz gekommen!

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Der Internationale Männertag

Ziel des Internationalen Männertages am 19. November ist es, das Augenmerk auf die Gleichberechtigung der Geschlechter aus Sicht des Mannes, die männliche Gesundheit und Vorbilder für Jungen und Männer zu richten. Gründungsland dieses Tages ist Trinidad und Tobago, dort wurde am 19. November 1999 das erste Mal der „International Men´s Day“ gefeiert. Mittlerweile haben sich Länder wie Australien, die USA und Indien angeschlossen und zelebrieren alljährlich den Internationalen Männertag.

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Braucht es die sichere Welt für Männer?

Vor einigen Tagen wurde eine Statistik vom Bundeskriminalamt veröffentlicht, dass alle zwei bis drei Tage eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wird. Rein rechnerisch stirbt also an jedem Montag, Donnerstag und Sonntag in Deutschland eine Frau durch die Hand eines Mannes. Aber statt einen solchen Tag für Themen wie Gewalt durch Männer, neue Rollenverteilungen oder Ähnliches zu nutzen, wird lieber versucht, eine Welt zu schaffen, „in der Männer sicher sind und ihr ganzes Potential erreichen können“ (International Men´s Day Global Website: Trinidad and Tobago). Ja, auch sehr viele Männer werden Opfer häuslicher Gewalt und aufgrund gesellschaftlicher Stigmata trauen sich viele dieser Männer nicht, Hilfe zu suchen. Doch dafür braucht es keinen Internationalen Männertag, sondern viel eher einen Tag gegen häusliche Gewalt.

Ein weiteres Ziel des Internationalen Männertages ist es, Männer sensibler für ihre eigene Gesundheit zu machen. Das ist löblich. Nur schade, dass es genau dafür schon den Weltmännertag am 3. November gibt und es im Zusammenhang mit dem Internationalen Männertag mehr wie ein Alibiargument klingt. Wer einen Tag braucht, um nur die Sorgen der Männer ernst zu nehmen, hat nicht verstanden, was die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft sind.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung des Autor und nicht die der Redaktion wider.

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