Zinsentscheid der EZB

Die jetzt beschlossenen höheren Zinsen der EZB sollen im Kampf gegen die Inflation helfen. Aber ist diese Entscheidung wirklich eine gute? Die EZB sei viel zu lange untätig gewesen, meint unsere Kommentatorin Ursula Mayer.

Die Europäische Zentralbank hat viel wertvolle Zeit vertrödelt: Ganze elf Jahre hat sie gebraucht, bis sie die Zinsen endlich wieder angehoben hat. Natürlich gab es in dieser Zeit viele Krisen, angefangen bei der Finanzkrise über die Euro-Schuldenkrise bis hin zur Energiekrise in Folge des Ukraine-Kriegs. Und grundsätzlich war es natürlich auch sinnvoll, dass die EZB dann immer wieder eingegriffen hat, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Bald hatte die Zentralbank die Zinsen quasi abgeschafft. Es gab es Zentralbankgeld in Hülle und Fülle, zum Nulltarif. Privatleute, Firmen und Staaten – fast jeder, der einen Kredit brauchte, konnte ihn bekommen, zu top Konditionen. Das musste zwangsläufig zu Übertreibungen führen, etwa am Immobilien- und Aktienmarkt.

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EZB-Zinsentscheid: "Sie haben die Füße still gehalten aus Sorge"

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Es gab aber auch krisenfreie Zeiten. Die hätten die Währungshüter nutzen können, um diesen Ausnahmezustand zu beenden. Haben sie aber nicht. Sie haben die Füße still gehalten aus Sorge, hochverschuldete Staaten wie Italien und Spanien könnten eine Zinserhöhung nicht verkraften, sich das Schuldenmachen dann nicht mehr leisten.

Die Gefahr einer Wirtschaftskrise ist real

In Folge der inflationären Geldflut sind die Verbraucherpreise rasant gestiegen. Selbst dieses Problem haben die Währungshüter viel zu spät erkannt und sich damit in eine fatale Situation hineinmanövriert. Denn angesichts der aktuellen Rekordinflation in der Eurozone mussten sie die Zinsen anheben, komme, was wolle.

Und da könnte einiges kommen, wenn uns in der Eurozone das Gas ausgeht. Dann droht die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahren. Eigentlich ist eine Zinserhöhung dann Gift. Aber die hatte die EZB nach all dem Rumgeeiere in der Vergangenheit jetzt angekündigt. Und hätte sie ihren Worten keine Taten folgen lassen, hätte sie ihre Glaubwürdigkeit endgültig verspielt. Denn es war für diese Zinswende allerhöchste Zeit.

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