Bärbel Bas bei einer Rede im Bundestag

Die SPD möchte Bärbel Bas zur Bundetagspräsidentin machen. Aber warum erst jetzt, nachdem es öffentlichen Druck gab? In Sachen Gleichberechtigung haben auch die Sozialdemokraten noch Nachholbedarf.

Da hat die SPD gerade nochmal die Kurve gekriegt. Drei SPD-Männer in drei mächtigen Positionen. Selbst als Gedankenspiel geht das nicht. Das passt nicht zu einem Wahlkampf in dem auf Plakaten mit Respekt geworben wurde. In dem der Spitzenkandidat davon sprach und versprach, dass die Hälfte der Macht den Frauen gehört.

Drei SPD-Männer in drei mächtigen Positionen, das wäre ein falsches Signal an eine Gesellschaft gewesen, in der Gleichberechtigung noch nicht selbstverständlich ist. Drei Männer in drei mächtigen Positionen, darin sah SPD-Chef Norbert Walter-Borjans am Wochenende kein Problem, da die drei Ämter ja nicht zusammenhingen. Wenn man der inneren Logik der Berliner Politik folgt, kann man das so sehen. Doch die Außenwirkung ist eine andere.

Luft nach oben

Politik muss aber Vorbild sein, weil sonst überkommene Rollenmuster nie aufgebrochen werden. Weil sich Menschen sonst nicht repräsentiert fühlen und sich abwenden. Nun möchte die SPD Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin nominieren. Sie mag nicht alles können und nicht alles wissen, sie wird aber in ihre Rolle hineinwachsen können. 

Es wäre besser gewesen, wenn es keinen öffentlichen Druck und keine Debatte über Sinn und Zweck von Gleichberechtigung gebraucht hätte, um eine geeignete Kandidatin zu finden. Mit 42 Prozent ist die SPD-Fraktion zwar schon weiblicher als viele andere Parteien, doch die SPD-Spitze hat die Signale reichlich spät gehört. Sie wird das in Zukunft besser machen müssen. Zum Beispiel dann, wenn darüber gesprochen wird, wer welche Aufgabe in welchem Ministerium übernehmen soll. 

Lebensnahe Probleme angehen

Und auch Bärbel Bas als mögliche neue Bundestagspräsidentin kann ihren Beitrag leisten. Politik gilt auch deshalb als Männer-Domäne, weil die Arbeitsbedingungen dafür sorgen, dass sich Politik und Familie nicht vereinbaren lassen: Sitzungen des Bundestages gehen bis tief die Nacht und Abgeordnete können nur schwer Elternzeit nehmen. An diesen ganz lebensnahen Problemen ließe sich etwas ändern.

Dieses Mal hat die SPD noch die Kurve gekriegt, sie wird aber in Zukunft deutlicher zeigen müssen, dass sie es wirklich ernst meint mit der Gleichberechtigung.

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