SEK-Beamte

Die Frankfurter Polizei steht im Fokus neuer Ermittlungen: Mehrere Beamte des SEK sollen in Chats rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben. Wichtig sind jetzt mehrere Dinge, meint unser Kommentator. Auch, dass rechte Hetzer an den Großteil ihrer Kolleginnen und Kollegen denken, die die rechtsextreme Suppe auslöffeln müssen.

Was ist bloß bei der hessischen, was ist bloß bei der Frankfurter Polizei los? Schon wieder stehen Beamte im Verdacht, volksverhetzende Inhalte in Chatgruppen geteilt zu haben. Diesmal sogar Polizisten der Spezial-Einheit SEK. Eine Elite-Truppe. Ich bin seit Jahren Polizei-Reporter in Frankfurt. Ich habe viele Einsätze miterlebt. Und die Polizisten, die ich kennen gelernt habe, wirken auf mich weltoffen. Das passt ja auch zur internationalen Metropole Frankfurt.

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Polizei- und Spezialeinsatzkräfte vor dem Haus in Rodenbach.
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Doch das trifft wohl nicht auf alle zu. Ich weiß, dass der tägliche Einsatz im Bahnhofsviertel oder auf der Einkaufsmeile Zeil kein Zuckerschlecken ist. Pöbelein, Beleidigungen und tätliche Angriffe stehen auf der Tagesordnung. Ich weiß, dass die Polizei für einige ein Feindbild und nicht der Freund und Helfer ist. Ich weiß auch, dass in dieser liberalen Stadt nicht alles nur großartig ist. Aber ist das ein Grund, um rechtsradikalen Hass per WhatsApp zu teilen? Nein!

Bereswill muss sich beweisen

Die Polizei ist Teil der Staatsgewalt. Und zwar die eines demokratischen Staates. Und nicht die einer fremdenfeindlichen Diktatur. Das hatten wir in Deutschland schon. Und es war eine finstere Zeit. Ich erwarte, wie Frankfurts Polizeipräsident, dass Polizisten auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen. Ich will mich sicher fühlen. Extremisten haben bei der Polizei nichts verloren.

Eine Möglichkeit, den Alltagsfrust loszuwerden, wäre Supervision. Mit einem Profi über den Ärger reden. Das fehlt in der strikt hierarchischen Polizeiwelt. Es gibt weitere Ansätze. Polizisten könnten häufiger die Einheit wechseln, Führungskräfte müssten intensiv geschult werden. Der Frankfurter Polizeipräsident Bereswill versucht vieles, um rechten Tendenzen in der Frankfurter Polizei den Garaus zu machen. Doch er wird sich erneut beweisen müssen.

Wichtig wäre es auch, dass die Polizisten, die in rechten Chatgruppen posten, auch mal an den Großteil der anderen Polizisten und Polizistinnen denken - an ihre Kolleginnen und Kollegen. Die finden es bestimmt nicht witzig, wenn sie bei einer Verkehrskontrolle als Nazi beschimpft werden, weil rechte Chatgruppen die Schlagzeilen bestimmen. Die Polizisten, die täglich einen guten Job machen, müssen am Ende die rechtsextreme Suppe auslöffeln. Und das sorgt für neuen Frust.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.6.2021, 9 bis 12 Uhr

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