Fish and chips

Genuss, Finesse, Gaumenfreuden - für all das steht die britische Küche nicht. Aber von Marmite mal abgesehen ist ihr schlechter Ruf völlig unbegründet, findet unser Korrespondent.

Die gemeinsame Zukunft entscheidet sich schon mit dem ersten Gramm auf der Zungenspitze: Himmel oder Hölle, Ekel oder Freude, hate it or love it. Ich liebe es nicht. Marmite ist die größte Zumutung der britischen Küche. Aber eigentlich ist das der falsche Einstieg. Denn an dieser Stelle will ich doch endlich einmal die britische Küche gegen ihren schlechten Ruf verteidigen.

Marmite

Warum sie überhaupt so einen schlechten Ruf hat, ist mir sowieso ein Rätsel, wo doch halb Deutschland auf die Rezepte von Jamie Oliver schwört und zu jedem Urlaub im Vereinigten Königreich mindestens eine Portion Fish and Chips gehört. Spötter behaupten ja, die beste britische Küche befinde sich in London, weil sie da nämlich gar nicht britisch, sondern vor allem international ist.

Beste Küche findet sich in Pubs

Wenn ich mittags mal das ARD-Studio verlasse, dann kann ich wählen zwischen japanisch und vietnamesisch, italienisch und argentinisch, Streetfood und McDonalds, selbst ein wöchentlicher Markt mit vegetarischen Speisen – alles da im Umkreis von nur 500 Metern. Mit 600 Metern komme ich sogar zu deutscher Bratwurst und Sauerkraut: bei Herman Ze German.

Die beste britische Küche findet sich aber gar nicht in Restaurants, sondern brutzelt in der Herzkammer der britischen Volksseele: in den Pubs. Schon das British Breakfast, das britische Frühstück, reicht eigentlich locker für den Rest des Tages, mit Speck und Eiern, mit Kartoffelpuffern, Würstchen und gebratenen Champignons. Aber auch das Pub-Food am Mittag bietet alles, was der Brite zum Sattwerden braucht, vom Angus-Steak aus dem schottischen Hochland bis zum Pie, einem Blätterteig-Töpfchen mit Fleisch- oder Gemüsefüllung.

Sandwiches, Scones - und Haggis

Wer sich nicht als Zuwanderer vom Kontinent outen möchte, der sollte als Getränk dazu das klassische Ale nehmen, gewöhnungsbedürftig für Pilstrinker, ein Gerstenbier mit bestenfalls rauchigem Geschmack, aber eben britisch. Unbedingt britisch ist dann später am Tag auch der Afternoon-Tea: Sandwiches, Scones und Kuchen, damit hat man locker bis zum späten Abend ausgesorgt.

So richtig rustikal geht es übrigens auch an Schottlands Tischen zu. In Edinburgh saß ich vor einiger Zeit bei einer Veranstaltung der Universitäten Schottlands am Tisch der Gastgeber, und natürlich benehme ich mich so, wie ich es daheim gelernt habe: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Auf den Tisch kam Haggis. Kennen Sie Haggis? Schafsinnereien, gewürzt und geröstet. Schmeckt wirklich gut. Man darf halt nur nicht dran denken, was das ist. Und immerhin: ohne Marmite.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.10.2019, 12 bis 15 Uhr

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