Vorgarten-Schild mit der Aufschrift "Hate has no home here"

Als unsere Korrespondentin im vergangenen Jahr nach Los Angeles zog, stachen sie ihr bei Spaziergängen immer wieder ins Auge: Vorgarten-Schilder. Sie tun kund, wo der Nachwuchs des Hauses zur Schule geht oder wie es um die poltische Haltung der Familie bestellt ist. Ein "conversation starter" sind sie aber offenbar nicht.

Als ich im vergangenen Jahr nach Los Angeles gezogen bin, stach mir etwas bei den Spaziergängen in der Nachbarschaft immer wieder ins Auge: in schwarz-weiß, bunt, groß, klein, laminiert aus Holz oder Plastik – Schilder. Jede Menge Schilder hatten es sich in den gepflegten Vorgärten zwischen Rosenhecken, Palmen, Büschen und Zitronenbäumen bequem gemacht.

Mächtig stolz aufs Kind

Das gemeine Vorgarten-Schild beschreibt in vielen Fällen, wo das Kind des Hauses in die Schule geht und dass die Eltern mächtig stolz darauf sind: "Proud Parent of a Kentwood-School Kid" stand da zum Beispiel, gegen Ende des Schuljahres gratulierte man mit Schildern den Abschlussklassen.

Andere Schilder taten kund, wie es um die politische Gesamthaltung der Familien steht: "In diesem Haus glauben wir, dass alle Menschen gleich sind, Wasser für jeden da ist, dass Frauenrechte Menschenrechte sind." Dieses Schild, schwarz mit bunten Buchstaben, tauchte im vergangenen Jahr immer öfter auf.

Politische Statements

Überhaupt politisierten sich die Vorgärten in den vergangenen Monaten deutlich, "Black Lives Matter"-Schilder sind gefühlt in jedem zweiten Vorgarten platziert worden. Es passt wohl zu Kalifornien, einem Staat, der generell als eher links-liberal und demokratisch geprägt gilt. 

Und auch die Corona-Pandemie spielt eine Rolle: Manche Hausbesitzer danken mit ihren Schildern den Ärzten und Pflegekräften, es gibt Durchhalteparolen oder ein großes "Thank You".

Woher die Schilder alle stammen, ist mir bis heute nicht klar. In Supermärkten gibt es sie nicht. Offenbar scheint im Netz ein großer Schilder-Markt zu existieren, von dem ich nichts wusste, denn all die Schilder sind nicht etwa handgefertigt und liebevoll selbst bepinselt, sondern hochprofessionell ausgestaltet.

Keine "conversation starter"

Eigentlich heißt es bei Dinnerpartys in den USA immer: Smalltalk ja, Religion oder Politik sind tabu! Alles lieber freundlich und oberflächlich. Das scheint mir mit den politischen Vorgärten nicht zusammenzupassen. Hier wird es schließlich äußerst politisch und persönlich, wenn man vor seinen eigenen vier Wänden ausstellt, wen man im November wählen wird oder wen explizit nicht. So wie das große Schild mit einer orange-gelben Haartolle, die an Donald Trump erinnern soll und dem Wort "Nope", das mir neulich begegnete.

Interessanterweise sind die Schilder offenbar kein "conversation starter", also eine Einladung für ein Gespräch, zumindest habe ich niemanden in der Nachbarschaft gesehen, der auf die Schilder Bezug genommen und sie für eine Diskussion genutzt hat. Vielleicht bewahren sich die amerikanischen Vorgartenbesitzer ja bewusst mit ihren Schildern davor. Nach dem Motto: "Mein Haus, mein Schild, meine Meinung – mehr muss ich nicht sagen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.9.2020, 12 bis 15 Uhr

 

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