Mann in Handschellen

Auf den ersten Blick sieht es gut aus in Hessen: Laut Kriminalstatistik 2020 waren die Bürger seit Jahrzehnten nicht mehr so brav wie heute. Sorge bereiten jedoch die Zahlen häuslicher Gewaltdelikte und politisch motivierter Straftaten.

Auf den ersten Blick sieht es gut aus: Hessen, ein Land, in dem es Verbrecher scheinbar immer schwerer haben.  Seit Jahrzehnten waren die Hessen und all die, die hierher kommen, nicht mehr so so brav wie heute. 2020 wird die ingesamt höchste Aufklärungsquote gemessen und die histrorisch wenigsten Straftaten sogar seit 1980. 

"Es gibt natürlich weiterhin noch Straftaten", erklärt der hessische Innenminister Peter Beuth. Und die stehen umso mehr im Fokus des CDU-Politikers. Gut sieht es da aus, wo es um die traditionelle Kriminalität geht: Gaunereien, Diebstähle, Einbrüche. Fast 24 Prozent weniger Wohnungseinbrüche  - aber auch insgesamt ist die Zahl der polizeilich bekannten Straftaten rückläufig. Ein Grund: Die Corona-Pandemie mit den Lockdowns im Frühjahr und Ende des Jahres.

Interssant ist die Aufklärungsquote - fast zwei Drittel aller Straftaten können einer Täterin oder einem Täter zugeordnet werden. Und oft stellt sich für Landespoliziepräsident Roland Ullmann heraus: Hat man einen, hat man mit einem Schlag viele Delikte aufgeklärt. "Altbekannte Weisheit: Wenige Täter begehen ganz viele Straftaten", so Ullmann.

Kriminalität gegen Kinder steigt

Auf der anderen Seite gibt es aber auch neue Herausforderungen - die häuslichen Gewaltdelikte haben um fast acht Prozent zugenommen. Hier rechnen die Behörden noch mit einer großen Dunkelziffer. Viele Opfer würden sich nicht trauen, Gewalt anzuzeigen - zum Beispiel wegen finanzieller Abhängigkeiten. Dabei gebe es inzwischen genügend Hilfsmöglichkeiten und besonders geschulte Polizistinnen und Polizisten. Besorgniserregend ist auch der rapide Anstieg politisch motivierter Straftaten um mehr als 50 Prozent und bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung - bei letzeren ein Anstieg um fast 17 Prozent.

Besonders dramatisch ist der Anstieg der Kriminalität gegen Kinder wie Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. Immer mehr Fälle kommen ans Licht - auch in Hessen. Das bedeutet viel Arbeit für die LKA-Chefin Sabine Thurau: "Es betrifft Kinder in unserem Land, es betrifft aber auch Kinder international, die dazu missbraucht werden, hier Straftaten im schwersten Bereich zu begehen."

Bei den in Hessen registrierten Fallzahlen gab es 2020 ein Plus von fast 45 Prozent innerhalb eines Jahres. Dass so viel mehr entdeckt wird, hat mit weltweit neuen polizeilichen Möglichkeiten zu tun, von denen auch Hessen profitiert. Internet-Provider in den USA sind zum Beispiel verpflichtet, verdächtige IP-Adressen zu melden - so kommt auch das Landeskriminalamt leichter an Verbindungen ins Darknet. 130 Ermittler sind allein in Hessen im Einsatz. Eine neue Sondereinheit soll noch mehr Licht ins Dunkle bringen - vor allem aber Kinder aus den Fängen ihrer Peiniger befreien.

Mehr Anerkennung für die Polizei

Die neuste hessische Kriminalstatistik ist immer auch ein Politikum. Mehr als 4100 Polizisten wurden im Dienst angefriffen - mehr als je zuvor. Der Innenpolitische-Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Bauer, forderte härtere Strafen - heute liegt die Mindesstarfe bei drei Monaten Haft. Sein SPD-Kollege Günther Rudolph sprach von zu viel Eigenlob des Innenministers und zu wenig echter Anerkennung für die Arbeit der Polizei. Rudolph forderte eine Polizeiprämie - die sei von Schwarz-Grün im Landtag leider ausgebremst worden.

Eva Goldbach von den Grünen sieht einen Zusammenhang zwischen Isolation in Corona-Zeiten und häuslicher Gewalt. Corona habe seine Spuren hinterlassen. Die Betroffenen sollten wissen, dass sie nicht nur bei zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen, sondern auch bei der Polizei Hilfe bekommen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 05.03.2021, 15 bis 18 Uhr

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