Kleine Figuren von Flüchtlingen sitzen in der Darmstädter Innenstadt.

Wenn Sie sich aufmerksam in Darmstadt umschauen, entdecken Sie möglicherweise kleine, handgroße Figuren. Die gehören zur Aktion “Moving People” und zeigen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten.

Auf einem Brunnenrand in Darmstadt sitzen sie ganz unscheinbar nebeneinander: eine Mutter mit Baby auf dem Arm, ein Mann, der eine Zeitung liest und eine junge Frau mit einem Basketball in der Hand. Sie sehen aus wie echte Menschen – aber sie sind nur zehn Zentimeter groß. Man muss sie erst in die Hand nehmen, um einen kleinen Knopf zu entdecken, auf dem die Internetadresse movingpeople.nu steht. Dort findet man dann die realen Vorbilder der Figuren, zehn echte Flüchtlinge und ihre Geschichten.

Ursprung in den Niederlanden

Durch die künstlerische Herangehensweise soll die Begegnung mit Geflüchteten leichter gemacht werden, erklärt Johannes Borgetto vom Koordinationskreis Asyl in Darmstadt. Viele Menschen hätten vielleicht Hemmungen, einfach so auf Flüchtlinge zuzugehen. Die Aktion "Moving People" erlaube es, sich ihre Geschichten erst einmal aus der Distanz im Internet anzusehen. "Die Hoffnung ist natürlich, dass vielleicht Menschen dann zu uns oder anderen Gruppen kommen und sagen, ich würde vielleicht doch gerne Flüchtlinge unterstützen", sagt Borgetto.

Die Aktion hat sich ein niederländisches Künstlerkollektiv ausgedacht, das vor drei Jahren in Amsterdam und Den Haag über zehntausend der Figuren im öffentlichen Raum verteilt hat. In Darmstadt werden zunächst 1.000 Figuren verteilt. Auf der Webseite finden sich bislang noch die Geschichten, die die niederländischen Initiatoren des Projekts gesammelt haben. Bald sollen aber auch Berichte von Geflüchteten folgen, die inzwischen in Darmstadt zu Hause sind. "Einer hofft, dass er hier eine Karriere als Sänger machen kann. Er ist geflohen, weil er seine Homosexualität verbergen musste. Eine andere möchte gerne Basketballspielerin werden. So haben die immer auch schon Visionen, was sie gerne hier verwirklichen würden in unserer Gesellschaft. Und das kann man da eben alles nachlesen", so Borgetto.

Reale Geschichten, reale Menschen

Als Schirmherr von "Moving People" fungiert Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Er betont den individuellen, künstlerischen Zugang des Projekts zum Thema Flüchtlinge. "Hinter jeder einzelnen Miniatur steckt eine reale Geschichte, steckt ein realer Mensch. So erhoffen wir uns, dass die Aufmerksamkeit dafür, dass jeder einzelne Geflüchtete eine ganz individuelle Geschichte hat, wieder neu geweckt wird", erklärt der Oberbürgermeister.

Unterstützen kann man die Aktion mit Spenden, aber vor allem auch damit, die Figuren der Geflüchteten mitzunehmen, ihre Geschichten zu lesen und sie dann wieder an einem anderen Ort abzusetzen. Die Mini-Flüchtlinge gehen im Oktober zunächst im Darmstädter Stadtgebiet auf die Reise. Danach soll es im Landkreis weitere Projekte geben, im November zum Beispiel in der Gemeinde Roßdorf im Südosten Darmstadts.

Sendung: hr-iNFO, 01.10.2018, 17.20 Uhr

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