Autobahn

Im Garten sitzen oder nachts das Fenster aufhaben? Für viele in Holzhausen Fehlanzeige. Denn das Dorf liegt direkt an der A49, 40.000 Autos rollen hier täglich vorbei. Die Bürger kämpfen seit Jahren für einen ordentlichen Lärmschutz, aber passiert ist bislang nichts.

Ein ganz normaler Tag in Holzhausen: Der Autobahnlärm ist überall im Ort zu hören - und ganz besonders gut bei Gerhard Kilian. Sein Haus liegt keine 30 Meter von der A49 entfernt. "Wir würden ja gerne mal in Ruhe draußen sitzen, aber das ist wochentags unmöglich geworden", sagt er. Die einzige Möglichkeit bestünde sonntagmorgens gegen 4 Uhr. "Dann ist es ziemlich ruhig hier."

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"Lärm führt zu körperlichen und psychischen Stressreaktionen"

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40.000 Autos - jeden Tag 24 Stunden

Rund 40.000 Autos rollen an Kilians Haus vorbei, jeden Tag 24 Stunden, Tag und Nacht. Auch Birgit Ranft kennt das. Ihr Haus liegt rund 200 Meter von der Autobahn entfernt und trotz Lärmschutzwänden und Flüsterasphalt: Nachts bei offenem Fenster schlafen oder im Sommer in Ruhe im Garten sitzen - keine Chance. "Manchmal ist es so gravierend, dass wir reingehen, wenn wir etwas zu besprechen haben. Oder man kann sich anschreien. Es ist eine Katastrophe."

Und weil auch die anderen rund 950 Holzhäuser unter der Dauerbelastung leiden, hat sich im Ort vor einigen Jahren die Interessengemeinschaft Lärmschutz gegründet. Deren Sprecher ist Günter Schumacher. "Die Lärmlage ist schlecht, das ist eigentlich nichts Neues. Aber das Kraftniveau ist aktuell höher als vor der Coronazeit."

Angst vor dem, was kommt

Derzeit endet die A49 noch auf einer Wiese bei Neuental. Doch bis 2025 soll der Lückenschluss an die A5 bei Gemünden fertig sein. Wenn das so ist, werden täglich nicht mehr 40.000, sondern bis zu 80.000 Autos über die A49 Rollen.

Was viele Menschen hier eindeutig stark belaste, sei die Angst vor dem, was nach dem Lückenschluss komme, sagt Schumacher: "mit dem wahnsinnigen Verkehr, der dann kommen wird, mit der Krachexplosion und vor allen Dingen, was wir alle so im Ort erlebt haben, das ist die Ignoranz der Verantwortlichen."

"Von den Politikern wohnt ja keiner hier"

Helfen könnte ein ordentlicher Lärmschutz. Dafür kämpfen Schumann und seine Holzhäuser seit Jahren. Aber während die Anwohner am derzeit entstehenden Lückenschluss zwischen Neuental und Gemünden umfassend lärmgeschützt werden, bleiben die Klagen der Holzhäuser in Wiesbaden und Berlin ungehört, beklagt Schumann. "Wir fordern wir die gleiche Lärmschutz-Qualität wie an der Neubaustrecke", sagt er, "denn diese führt erst zu diesem Mehrverkehr, und wir wollen an der Bestandsstrecke letztendlich dann keine Bürger zweiter Klasse sein."

Das wünscht sich übrigens auch Gerhard Kilian. Hoffnung auf Besserung hat er indes wenig: "Das interessiert ja keinen, weil  von den Politikern wohnt ja keiner hier."

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Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit

Lärm ist ein Stressfaktor. Zu den möglichen Langzeitfolgen chronischer Lärmbelastung gehören neben Gehörschäden auch Änderungen bei biologischen Risikofaktoren (z. B. Blutfette, Blutzucker, Gerinnungsfaktoren). Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie arteriosklerotische Veränderungen , Bluthochdruck und bestimmte Herzkrankheiten, einschließlich Herzinfarkt, können durch Lärm verursacht werden. Ab wann wir Lärm als störend empfinden, ist individuell unterschiedlich. Eine Studie zeigt aber zum Beispiel, dass Menschen, die nachts vor ihrem Schlafzimmerfenster einen mittleren Schallpegel von 55 dB(A) oder mehr hatten, ein fast doppelt so hohes Risiko hatten, wegen Bluthochdrucks in ärztlicher Behandlung zu sein, als diejenigen, bei denen der Pegel unter 50 dB(A) lag. Ein Lkw-Fahrgeräusch in fünf Metern Abstand ist etwa 90 dB(A) laut. [mehr]

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