Donald Trump (AP)

Joe Bidens größtes Ziel ist es, die Spaltung der USA zu überwinden. Ein Besuch auf dem Land in West Virginia zeigt, wie schwer dieser Weg werden dürfte.

Wenn Susan Webster über Donald Trump spricht, funkeln ihre Augen. Sie ist und bleibt eine Trump-Unterstützerin. "Ich vermisse ihn, wir vermissen ihn in West Virginia", sagt die 68-Jährige im Polstersessel. Sie trägt jeden Tag ein rotes Trump-Gummi-Armband. Zum schwarzen Blazer und silber-glitzernden Rollkragen-Pulli passt es zwar nicht, aber es gehöre zu ihr, sagt die ehemalige Bürgermeisterin von Berkeley Springs, eine Kleinstadt am Fuße der Appalachen im Nordosten der USA.

"Biden hat die Menschen mit Füßen getreten"

Es gibt eine Hauptstraße mit Geschäften und einem Kino aus den 30ern. Rechts und links davon an den Hang gebaut stehen holzvertäfelte Einfamilienhäuser mit Schaukelstühlen auf der Veranda. In dieser Gegend haben fast 75 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Trump gestimmt, "Diese Loyalität wird bleiben, nicht bloß in West Virginia, sondern fast überall im ländlichen Amerika", sagt Webster. "Es wird in vielen Häusern ein Bild von ihm hängen."

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Die neue Regierung bereitet ihr große Sorgen. Mit seinen ersten Entscheidungen im Amt habe Biden die Menschen in West Virginia mit den Füßen getreten, sagt sie verärgert. Biden will weg von Kohle und Gas. In West Virginia sind tausende Arbeitsplätze bedroht. "Du kannst nicht einfach ankommen und sagen, dass du die Energie-Industrie ausradierst und West Virginia verletzt." Dabei entstehe Feindseligkeit. Und es sei schwer, die jemals wieder wegzubekommen, davon ist sie überzeugt.

Nicht verheilte Wunden

Der Machtwechsel setzt den Menschen in Berkeley Springs zu. Das spürt auch der Pastor Joshua Rider. Die meisten Mitglieder der Gemeinde seien noch immer nicht bereit, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Nur Einige sind schon etwas weiter. Sie seien zwar nicht einverstanden, aber sie akzeptieren es. Die kommenden vier Jahre sind für sie eine Phase, die vorübergeht. Dann erledige sich das Problem von ganz allein. Das Land muss zur Ruhe kommen, sagt der 33-jährige Pastor und glaubt an die Stärke Amerikas.

Nichts für ungut, aber er glaubt, "sein Land ist das Beste". Selbst wenn das in letzter Zeit schwer zu erkennen war, das gibt er zu - und dabei denkt er an den Sturm aufs Kapitol. "Die Meisten sind gute Menschen", sagt der junge Pastor mit Tränen in den Augen. Das Amtsenthebungsverfahren, so glaubt er, reißt Wunden auf, die noch nicht verheilt sind.

Eine Meinung, die bleibt

Auch der Galerist des Ortes, Thom Rubel, ist skeptisch: "Es gibt Leute, die wollen Rache oder irgendeine Art von Bestrafung. Für mich ist die Frage: Haben wir nicht genug durchgemacht?" Er wünscht sich, dass der Prozess gegen Trump so schnell wie möglich zu einem Ende kommt - egal mit welchem Ergebnis.

Es sei an der Zeit, nach vorn zu schauen und diese viel zu große Last hinter sich zu lassen, sagt der Leiter der Kunsthalle in Berkeley Springs. Für die glühende Trump-Verehrerin Susan Webster ist das Verfahren eine Drohkulisse der Demokraten, eine Warnung an alle künftigen Präsidenten - sollte nochmal jemand "aus der Reihe tanzen", wie sie es ausdrückt. Es sei eine Show, die keinen Einfluss darauf habe, wie die Menschen denken. Vor allem nicht hier, wo sich die Meinung über Mister Trump überhaupt nicht ändert.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8.2.2021, 12 bis 15 Uhr

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