Gebäck in einer Mülltonne
In Deutschland landet auch viel Gebäck im Müll. Bild © Imago

Das Ausmaß der Verschwendung ist größer als bislang angenommen: Die Deutschen werfen jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weg, so eine WWF-Studie. Doch das Hauptproblem ist nicht der Verbraucher.

In Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeschmissen. Allein in Hessen werden jedes Jahr 1,4 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Naturschutzorganisation WWF. Wo und wie geschieht das? „60 Prozent gehen schon verloren, bevor wir einkaufen“, sagt Roland Gramling vom WWF. „Also sei es weil der Landwirt die krumme Gurke aussortieren muss, sei es weil das Buffet in der Kantine zu üppig bestückt ist und weggeschmissen wird.“

Frühere Studien, die zum Beispiel das Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hatte, kamen zu einem anderen Ergebnis. Demnach werden die meisten Lebensmittel vom Verbraucher in die Tonne geworfen. Jeder von uns schmeiße im Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Der WWF kritisiert, die Lebensmittelverschwendung werde in Deutschland bislang nicht systematisch erfasst:  „Es müsste verbindliche Vorgaben geben, wie Industrie und Landwirtschaft gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen und es müsste vor allem erst mal eine vernünftige Bestandsaufnahme gemacht werden“, sagt Gramling. „Wir beobachten, dass immer auf die Verbraucher geschaut wird und Industrie und Landwirtschaft nicht in Mithaftung genommen wird.“

Krummes Gemüse wird aussortiert

Die Angaben zur Verschwendung in Deutschland beruhen auf Schätzungen, darauf verweist auch das hessische Landwirtschaftministerium. Wiebke Franz, Referentin bei der Verbraucherzentrale Hessen sagt auch, Handel, verarbeitende Industrie oder Bauern könnten mehr tun: „So Karotten wie man sie auf dem Acker findet, ein Zwilling zum Beispiel, findet man ja gar nicht im Handel oder herzförmiges Ost. Das wird aussortiert. Oder Produkte die abgelaufen sind, könnten viel häufiger doch noch verkauft werden wenn man da einen Hinweis dran macht. Oder Bäckereien, die verkaufen kein Brot vom Vortag.“

Fest steht jedenfalls: Die Mengen, die im Müll landen, sind enorm. Und auch der Verbraucher hat immer noch einen großen Anteil so Wiebke Franz:  „Oft Spontankäufe, es wird zu wenig geplant“, sagt sie. „Es wird auch zu viel gekocht und die Reste nicht verwertet. Brot, Gemüse und Obst wird oft in zu großen Mengen gekauft. Obst und Gemüse wird zudem falsch gelagert verdirbt schneller.“

Das sind die Hauptgründe, warum in deutschen Haushalten so viel weggeworfen wird. Für die Naturschutzorganisation WWF ist die Lebensmittelverschwendung jedenfalls ein erhebliches ökologisches Problem. Denn für Millionen Tonnen Lebensmittel, die auf dem Müll landen, muss eine große Ackerfläche bewirtschaftet werden mit viel Energie und Ressourcen, so Roland Gramling.  „Das wäre so, wie wenn wir aus ganz Hessen einen Acker machen, den Acker abernten und dann alles in den Müll werfen.“

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Sendung: hr-iNFO, 20.4.2018, 16.10 Uhr

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