Panzer unter Wasser
Bild © Mohammad Al Sariji

Taucher und Umweltschützer der libanesischen Hafenstadt Saida haben zehn ausgediente Panzer im Meer versenkt, um Fische anzusiedeln und für den Frieden zu werben – mit einer kleinen Einschränkung.

Mohammad Al Sariji ist ein ausgesprochen fröhlicher Mensch. Er lacht viel. Seine wilde, graue Mähne lässt ihn ein wenig wie den libanesischen Einstein aussehen. Aber Mohammad Al Sariji sitzt in seinem kleinen  Büro im schiitischen Viertel der Hafenstadt Saida, etwa vierzig Kilometer von Beirut entfernt. Draußen auf dem Platz vor dem Haus wehen Fahnen der Hizbollah.

Mohammad ist Tauchlehrer und Präsident des Verbandes der libanesischen Profi-Taucher. Gerade ist er mit drei jungen Tauchschülern vom Meer zurückgekommen. Mohammads Schüler Nidar ist begeistert, eine großartige Erfahrung sei das gewesen. Begeistert ist er auch, weil es unter Wasser zwar nur wenige Fische, dafür aber altes Kriegsgerät zu sehen gab.

Zehn alte Panzer der libanesischen Armee hat die Umweltschutzgruppe 'Freunde der Küste von Saida' mit Mohammads Hilfe im Meer versenkt. Als Attraktion für Taucher und Fische. "Es war meine Idee, mein Traum", sagt Mohammad Al Sariji stolz: "Wir haben es zwanzig Jahre versucht, jetzt waren wir erfolgreich, weil so viele mitgeholfen haben."

Algen und Korallen auf Geschützrohren

Panzer zu Korallenriffen, diese libanesische Variante des "Schwerter zu Pflugscharen"-Mottos soll auch für den Frieden werben. Der Jahrzehnte unter Bürgerkriegen und Stellvertreterauseinandersetzungen leidende Libanon weiß, wie wichtig Frieden ist – aber es geht Mohammad und seinen Mitstreitern auch um die Natur, wenn man das so sagen darf. Die Panzer sollen die Biodiversität im reichlich verschmutzten Mittelmeer vor der Küste des Libanon erhöhen. Fächerkorallen auf Geschützrohren, so etwa kann man sich das vorstellen: "Ganz schnell ist der Stahl der Panzer mit Algen, Korallen und Schwämmen bedeckt. Ich habe Videos, auf denen schon nach wenigen Tagen zu sehen ist, dass ganze Fischschwärme um die Panzer herumschwimmen", erzählt Mohammad.

Jetzt will Mohammad mit den Panzern für seine Tauchbasis werben. Begeisterte Wracktaucher will er anlocken, die Kriegsgerät unter Wasser offenbar sehr schätzen. Und um noch eins draufzusetzen, plant der umtriebige Libanese bereits weitere Attraktionen. Der Oberkommandierende der libanesischen Armee ist offenbar von dem Projekt begeistert und will nun noch mehr beisteuern: "Er hat uns einen Hubschrauber angeboten. Ich bin schon sehr aufgeregt, den auch bald ins Wasser zu den Panzern zu bringen.

Ganz friedlich geht's nicht

Fische, die an Korallen knabbern, die wiederum auf Panzern, Selbstfahrlafetten und Granatwerfern siedeln. Abou Rabbia, der Sprecher der Fischer Saidas, kann dem etwas abgewinnen: "Es wird den Fischen Schutz bieten, die Fische werden die Panzer nutzen. Und wir werden mehr fangen können. Sofern nicht die vielen Taucher, die jetzt kommen, die Fische schon herausholen." Die Zeiten sind schlecht, von den 150 Fischern der kleinen Hafenstadt fährt weniger als die Hälfte noch regelmäßig raus. Der Grund: Den Wettbewerb um den besten Fang gewinnen die großen Hochsee-Flotten draußen auf dem Meer, die kleinen Kutterfischer haben das Nachsehen. Also fürchten die Fischer jede neue Konkurrenz – auch die der Taucher.

Panzer, die besiedelt werden und sich zum Korallenriff wandeln, Taucher, die den Grusel des martialischen Kriegsgerätes in zwanzig Metern Meerestiefe suchen - am Ende auch ein Bekenntnis zum friedvollen Zusammenleben, so lässt sich die Idee der Umweltschützer und Taucher Saidas zusammenfassen.

Aber wir sind im Libanon, die israelische Grenze ist nicht weit, auch die Palästinenser sind es nicht, von denen die Libanesen gerne behaupten, sie seien wie Brüder. Daher sprechen die Unterwasserpanzer auch noch eine andere Sprache, erklärt Tauchlehrer Mohammad und lächelt ein wenig: "Wir sind natürlich solidarisch mit den Palästinensern, die von den Israelis unterdrückt werden. Es ist so gesehen auch eine symbolische Aktion, die zeigen soll, dass wir bereit sind, Aggressionen gegen unser Land abzuwehren." Die Rohre der Schrottpanzer sind Richtung Israel ausgerichtet. Ganz friedlich ist es im Nahen Osten auch unter Wasser nicht.

Sendung: hr-iNFO, 8.8.2018, 10:50 Uhr

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