Der Blick aus einem Luxus-Turm in New York

Mehr als 16.000 Luxus-Apartments sind in den vergangenen Jahren in New York gebaut worden. Etwa jedes vierte davon steht leer.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Leere Luftschlösser in New York

Die Skyline von Manhattan, New York
Ende des Audiobeitrags

Ein neuer Hochhausstar über dem Central Park wird eingeweiht. Noch ein Lulatsch in der Skyline von Manhattan. Und noch einer zu viel, sagt Jonathan Miller. "Der Luxus-Markt in New York ist gnadenlos überbaut", so der Chef der Immobilien Gutachter- und Beraterfirma Miller Samuel.

Die Folge der niedrigen Zinsen nach der Finanzkrise 2008. Sie haben viele Bauherren in Stimmung gebracht. "Sie haben einfach zu viele Türme gebaut. Selbst, wenn jetzt nicht weiter gebaut würde – es bräuchte neun Jahre, um alle freien Luxus-Wohnungen zu verkaufen", rechnet Miller. Und das wird in Midtown Manhattan immer schwerer.

 Sting hätte warten sollen

In der "Billionaires Row", der Reihe der Milliardäre direkt am Park stehen 40 Prozent der Wohnungen in den High-End-Türmen leer. Die 70 bis 240 Millionen Dollar pro Apartment zahlen vielleicht noch der Sänger Sting oder ein Hedgefonds-Manager. Mit ihrem Kauf hätten sie vielleicht aber noch etwas warten sollen.

“Bis zu 20 Prozent und mehr sind die Preise runtergegangen“, sagt Sebastian Steinau, Makler von Luxusimmobilien. Der gebürtige Sauerländer hat über Jahre in New York als Vertriebsdirektor einige der größten Projekte betreut: Im neuen Luxusviertel Hudson Yards managte Steinau etwa den Verkauf vom ersten Wohnturm. Volumen: eineinhalb Milliarden US-Dollar.

Wirtschaftsflauten und Handelsplitik schreckt ab

Es ging rasend schnell. Dank des Marktes aus dem Ausland. "Der war damals noch sehr aktiv. Das war so 2016/17. Viel aus Asien, da war noch ein bisschen Russland dabei, ein bisschen Südamerika und Mittlerer Osten. Und nach und nach sind diese ganzen Märkte weggebrochen", resümiert Steinau.

Unwägbarkeiten und der stärkere Dollar verschreckten die Investoren. Die Handelspolitik von Präsident Trump aber auch Wirtschaftsflauten in Südamerika halten die Wohnungskäufer gerade fern. Von den über 16.000 Luxuswohnungen die seit 2013 in Manhattan entstanden sind, stehen mehr als 4.000 leer. Grund zur Panik gebe es allerdings nicht. "Fakt ist, dass viel gebaut worden ist. Fakt ist auch, dass momentan nicht viel gekauft wird. Aber dass die Objekte solide dastehen mit ihrer Finanzierung", so Steinau.

"Die meisten zahlen die Millionen in Cash"

Für eine Immobilienkrise wie 2008 sei der Häusermarkt in New York zu solide. Und trotzdem sieht der Marktfachmann den ersten Pieks in einer Blase: "Wenn man davon ausgeht, dass du bei Projekten 20 oder sogar über 20 Prozent an Discount bekommen kannst: Das deutet garantiert darauf hin, dass dort ein Zugzwang ist, das Projekt zu verkaufen."

Von einer Feinjustierung spricht auch Wohnungsmarkt-Experte Miller. Um die Kunden aus dem Luxusbereich macht er sich sowieso keine Sorgen. "Die meisten zahlen die Millionen in Cash." Anders sieht das bei der Mittelschicht aus.

Die Gefahr einer neuen Krise

Eine klassische Krise  entsteht dann, wenn Käufer ihre Kredite nicht mehr bedienen können – und diese Gefahr bestehe inzwischen wieder landesweit. Potentielle Immobilienkäufer aus der Mittelschicht werden zunehmend mit günstigen Krediten angelockt. "Wir sehen bereits, dass sich schon wieder schlechtes Verhalten breitmacht: Baufinanzierung und Kredite - da schauen die Kontrollbehörden schon wieder gerne weg", sagt Miller.

Faule Kredite waren einer der Hauptgründe für die letzte Immobilien-Krise. Das geliehene Geld wurde den Amerikanern hinterhergeworfen. Damit sie die überschüssigen Häuser vom Markt kauften. Als Millionen Hauskäufer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, weil die Zinsen stiegen und die Hauswerte sanken, kollabierte der Markt. Und in seiner Folge das Bankensystem.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 31.10.2019, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm