Maria Furtwängler (l-r), Schauspielerin, Janina Kugel, Senior Advisor bei der Boston Consulting Group, Katja Kraus, Geschäftsführende Gesellschafterin Jung von Matt/Sports, Nora Bossong, Schriftstellerin, und Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), stehen in der Bundespressekonferenz vor einer Pressekonferenz zu Frauen-Quoten, dem Führungspositionengesetz (FüPoG) und anderen Maßnahmen zur Frauenförderung für ein Gruppenbild zusammen.

Ein Bündnis von prominenten Frauen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur fordert mehr Gleichstellung – und eine Frauenquote in Unternehmen.

"Ich will", sagen diese Frauen. Es ist Hashtag und Botschaft. Entsprechend entschlossen treten sie auf, in der Hauptstadt unweit vom Kanzleramt oder besser Kanzlerinnenamt. Ihre Forderung formuliert Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin, so: "Die Bundesregierung hat den Koalitionsvertrag fast abgearbeitet. Ich finde, jetzt muss doch endlich mal Zeit sein, auch die Belange der Frauen anzupacken."

Notwendige Solidarisierung

'Ausgerechnet jetzt?', mag Mann sich fragen – als habe die Bundesregierung nichts Besseres zu tun in der Coronakrise. Aber wann in all den Jahren hatte sie nicht etwas Besseres zu tun? Frauen in Führung zu verhelfen jedenfalls hatte nie Priorität. Deswegen sitzen die fünf Frauen in Berlin und pochen auf die Quote in Spitzenpositionen. Janina Kugel gehört dazu, langjährige Personalchefin bei Siemens. Eine Frau also, die es selbst weit gebracht hat. "Die Solidarisierung ist notwendig, um Dinge tatsächlich zu pushen", sagt Kugel vor der Hauptstadt-Presse, die auch noch immer vorwiegend männlich ist.

Im Pressesaal sitzen in erster Linie Frauen, ein einziger Mann stellt eine Frage - als wäre Frauenpolitik noch immer Gedöns wie einst bei Kanzler Schröder. Nach Schröder kam Merkel, eine Quote gibt es immer noch nicht. Merkel und ihre verschiedenen Kabinette setzten immer auf Freiwilligkeit. Umsonst, sagt Kugel. "Die Freiwilligkeit, haben wir gesehen, die bringt nichts. Wir brauchen gesetzliche Vorgaben, um gesellschaftliche Strukturen zu verändern."

Die SPD will, die Union geht nicht mit

Die gesetzlichen Vorgaben sind vorbereitet. Ein Gesetzentwurf, geschrieben von den zwei SPD-Ministerinnen Franziska Giffey und Christine Lambrecht. Sie wollen unter anderem mindestens eine Frau in Vorständen vorschreiben. Nur: CDU und CSU gehen nicht mit. Also tut sich nichts. Zwar gibt es kleine oder mittlere Familienunternehmen, in denen Frauen es nach ganz oben geschafft haben. Aber die großen Dax-Unternehmen sind immer noch von Männern dominiert. Und das nicht, weil Männer immer besser sind, meint Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler. "Wir können nicht länger auf die Hälfte des 'brain capitals' verzichten, wir können nicht länger zulassen, dass wir lieber durchschnittlich begabte Männer ranlassen, als den hochtalentierten Frauen Platz zu machen."

Hochtalentierte Frauen sollen auch in anderen Bereichen ihren berechtigten Platz finden. Im Sport, erzählt Katja Kraus, ist es ebenfalls schwer: "Insbesondere im Fußball sind die Zahlen noch verheerender als wir das bislang schon gehört haben", sagt Kraus, die viele Jahre Vorstandsmitglied beim damaligen Bundesligisten Hamburger SV war. "Dafür gibt es überhaupt keinen Grund – außer dass diejenigen, die gerade in Entscheidungspositionen sind, fast ausnahmslos Männer, es gerade so haben wollen."

Hoffen auf Merkel

Kraus' Stellung beim HSV war lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal. Bis zum Oktober dieses Jahres, als eine Frau als Finanzvorstand beim hochverschuldeten Verein Schalke 04 übernehmen durfte. Eine Ausnahme. Aber Frauen in Führung sollen nicht Ausnahme bleiben, dafür setzt sich dieses Netzwerk um Jutta Allmendinger ein. "Ich hoffe sehr auf Frau Merkel, dass sie diesen Punkt doch auch noch anpackt."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.10.2020, 12-15 Uhr

Jetzt im Programm