Malediven

Wunderschöne Strände, herrliches Wetter und Urlaub: Was da nicht ins Bild passt, sind Schwärme von Mücken, die sogar lebensbedrohliche Krankheiten übertragen können. Ein niederländischer Insektenforscher hat eine Falle entwickelt, die Abhilfe schaffen soll.

Das "Soneva Fushi" ist ein luxuriöses Fünf-Sterne-Ressort auf Kunfunadhoo im Indischen Ozean. Die nur anderthalb Kilometer lange und 400 Meter breite Insel der Malediven verwöhnt ihre Urlauber mit traumhaft weißen Stränden, kristallklarem Wasser und tropischer Vegetation. Ein Paradies, wenn ... ja, wenn da nicht diese lästigen, nervigen, penetranten Moskitos wären, wie Insektenforscher Bart Knols erklärt: "Sie haben auf diesen Inseln, wo die Mücken von Natur aus vorkommen, wahnsinnig große Probleme mit den Biestern. Wenn du da tagsüber im Dschungel stehst, bist du wirklich von einer Wolke aus Mücken umgeben. Und wenn ich als Tourist so viel Geld ausgebe, will ich so was nicht haben."

Denn unter den Mücken sind Spezies wie die Asiatische Tigermücke, die Viren und damit lebensbedrohliche Krankheiten übertragen können. Die Hotelbetreiber haben daher den Niederländer Bart Knols gebeten, den Blutsaugern auf der Insel den Garaus zu machen.

Milchsäure und Kohlendioxid als Lockstoffe

Der Insektenforscher aus der Grenzstadt Nijmegen hat nämlich eine tödliche Falle entwickelt: einen schwarzen Kasten – nicht viel größer als eine Salatschleuder - mit einem feinmaschigen Netz, in das die Moskitos fliegen, weil sie dem daraus strömenden Geruch nicht widerstehen können. "Sie gehen in die Falle, weil in diesem Säckchen ein Duftstoff steckt, der auch auf der menschlichen Haut vorkommt. Das ist Milchsäure, die von einem kleinen Ventilator umhergewirbelt wird. Und wir produzieren Kohlendioxid, das wir Menschen ausatmen und das stellen wir mithilfe von Zuckerwasser und Hefe her."

Kurzum: die Mücken werden durch menschlichen Schweiß- und Mundgeruch angelockt. Sie verfangen sich im Netz, trocknen aus und verenden. Um die gesamte Insel mückenfrei zu bekommen, haben Bart Knols und sein Team 550 dieser Fallen über Kunfunadhoo verteilt. Gleich zu Beginn zählten die Forscher bis zu 3.000 gefangene Stechfliegen täglich – pro Falle wohlgemerkt. Heute, knapp anderthalb Jahre später, ist die Mückenpopulation auf der Insel um 95 Prozent zurückgegangen. Das habe allerlei positive Effekte, sagt Knols, nicht nur für Touristen: "Wir haben schon seit 17 Monaten keine Insektiziden mehr gesprüht auf der Insel, und dadurch kehren Schmetterlinge zurück, Libellen und Hummeln, und in den Gärten auf der Insel wird durch intensivere Bestäubung mehr Gemüse und Obst geerntet."

Wirksam - aber teuer

Knols arbeitet mit einem Unternehmen aus Regensburg zusammen, das die Fallen herstellt und auch an Privatpersonen verkauft – für 165 Euro pro Stück. Damit sämtliche Urlaubsparadiese dieser Welt mückenfrei zu kriegen, ist also durchaus aufwendig und teuer.

Knols ist trotzdem entschlossen: "Lassen Sie mich mit den Malediven anfangen. Wunderschön, aber das sind allein 1.200 Inseln. Indonesien hat mehr als 2.000 Inseln, die Philippinen tausende – da gibt es viel zu tun." Aber die Technologie sei da, um Erfolge zu erzielen. Nicht nur für Touristen, sondern auch für die lokale Bevölkerung, um sie vor schweren Erkrankungen zu schützen. "Ich kann diesem Problem also sehr schnell die Stirn bieten."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.5.2021, 6 bis 9 Uhr

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