Ein Zettel mit der Aufschrift "Häusliche Quarantäne Bitte Abstand halten!!!" hängt an einer Tür (picture alliance / Jochen Tack)

Die Corona-Variante Omikron könnte zu weitreichenden Ausfällen von Personal in kritischen Bereichen des öffentlichen Lebens führen. In Bund und Ländern wird deshalb diskutiert, die Quarantänefrist zumindest für bestimmte Berufsgruppen zu verkürzen. Ist das sinnvoll? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

Pro: Notwendig, um das Land nicht lahmzulegen

Von Uli Hauck, ARD-Studio Berlin

Dreifach-Impfung, Kontakte reduzieren, Maske tragen - auch gegen die Omikron Variante können wir nur auf die altbekannten Corona-Maßnahmen setzen. Und dennoch müssen wir uns nach fast zwei Jahren Pandemie auch ehrlich machen. Denn die Omikron Variante ist deutlich ansteckender und mit ihr beginnt wohl die Durchseuchung der Bevölkerung.

Sehr viele Menschen werden sich gleichzeitig anstecken. Die immer noch zahlreichen Ungeimpften werden weiter ihr Leben riskieren und das Gesundheitssystem weiter stark belasten. Menschen werden weiter sterben, die dreifach Geimpften müssen jetzt erneut solidarisch sein. Sie müssen den Laden am Laufen halten. Wenn sie nur Kontaktpersonen waren oder nur leicht erkrankt sind, dann könnte ihre Quarantäne von 14 auf sieben Tage verkürzt werden - vorausgesetzt, mehrere Tests sind negativ. Diese Verkürzung der Quarantäne ist notwendig, und sie wird kommen, auch wenn die genaue Ausgestaltung noch unklar ist. Denn ansonsten legt Omikron das ganze Land lahm.

Contra: Schadensbegrenzung für gescheitertes Pandemie-Managament

Von Franka Welz, ARD-Studio Berlin

Eine Verkürzung der Quarantäne-Zeiten heißt vor allem eins: Das Pandemie-Management in Deutschland ist gescheitert. Alles, was jetzt noch passiert, ist der Versuch der Schadensbegrenzung. Die Fallzahlen werden dank Omikron stark ansteigen. Das wird vor allem viele Ungeimpfte treffen, die wären dann nicht geschützt. Von Alten und Kranken ganz zu schweigen. Die schützt man aber nicht, wenn man Menschen womöglich zu früh aus der Quarantäne entlässt. Sie können dann trotz negativer Schnelltests noch ansteckend sein und das Virus weitergeben, zum Beispiel als Pflegepersonal an Herzinfarkt-Patienten. Hier müssten also Risiken gegeneinander abgewogen werden. Aber wie soll das gehen?

Wie viele Menschen erfahren überhaupt, dass sie sich mit Omikron angesteckt haben? Gerade einmal 24.000 Test werden in Deutschland pro Woche sequenziert. Das ist lächerlich wenig. Wie also unterscheiden und im Zweifelsfall richtig entscheiden? Die Idee, Quarantäne-Zeiten zu verkürzen, weil ansonsten zu viele Menschen gleichzeitig nicht arbeiten würden, könnte nämlich genau das verursachen. Weil sich deswegen womöglich noch viel mehr Menschen in kurzer Zeit infizieren werden - auch bekannt als Durchseuchung. Und wenn das der Kurs ist, dann sollte man ihn auch genauso benennen.

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