Nicht nur in Gewässern und Böden wird Plastik zunehmend zum Problem. Forscher haben nun auch winzige Plastikpartikel in menschlichen Stuhlproben gefunden.

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Kunststoffpartikel seien in Stuhlproben aller acht Teilnehmern der Pilotstudie der Medizinischen Universität Wien und des österreichischen Umweltbundesamtes nachgewiesen worden. Im Anschluss an eine einwöchige Testreihe, an der Personen aus sechs europäischen Ländern sowie aus Russland und Japan teilgenommen haben, seien im Durchschnitt 20 Mikroplastik-Partikel pro 10 Gramm des Stuhls gefunden worden.

Die Probanden seien während der Testreihe aufgefordert worden, ein Ernährungstagebuch zu führen. Alle acht Teilnehmer im Alter von 33 bis 65 Jahren hätten Kontakt mit in Plastik verpackten Lebensmitteln gehabt. Sechs von ihnen hätten Fisch oder Meeresfrüchte während der Testwoche gegessen. Im Durchschnitt hätten die Teilnehmer jeden Tag einen dreiviertel Liter Getränke aus PET-Flaschen zu sich genommen. Vegetarisch habe sich keiner der acht Probanden ernährt. Die Auswahl der Probanden sei über persönliche Kontakte erfolgt.

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Nach Angaben von Bettina Liebmann, die an der Studie als Expertin für Mikroplastik im Umweltbundesamt mitgewirkt hat, sind neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachgewiesen worden. Diese Vielfalt an Kunststoffen habe sie überrascht. Am häufigsten – mit 62 Prozent – habe sich Polypropylen in den Proben befunden.  Es sei schwer, den Nachweis zu erbringen, wo genau die Plastikpartikel in die Lebensmittel kämen, betonte Bettina Liebmann vom Umweltbundesamt. Denn dass Mikroplastik in den Ozeanen über die Meeresfrüchte in die Nahrungskette komme, sei erwiesen. Plastik sei bei der Ernte, Produktion und Verarbeitung "omnipräsent".

Zusammenhang muss noch geklärt werden

Seit 2014 habe das österreichische Umweltbundesamt an einem Verfahren gearbeitet, den Nachweis von verschiedenen Plastikpartikeln im menschlichen Stuhl führen zu können. Mikroplastik sei, so Bettina Liebmann vom Umweltbundesamt, definitiv ein neuer Umweltschadstoff. Der Leiter der Pilotstudie, Philipp Schwabl von der Medinzischen Universität Wien, hob hervor: "Wir haben einen Anfang gemacht." Folgestudien würden zeigen, welche Auswirkungen die Ergebnisse der Pilotstudie auf die Gesundheit habe.

Aufgrund der kleinen Probandengruppe könne ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und der Belastung mit Mikroplastik nicht hergestellt werden. Mit Blick auf die Fragestellung, wie repräsentativ die Pilotstudie ist, schreiben die Autoren der Untersuchung, mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung könne gegebenenfalls Mikroplastik im Stuhl haben. Nur umfangreichere Studien würden allerdings in der Lage sein, diese Annahme zu bestätigen.

Sendung: hr-iNFO, 23.10.2018, 12.50 Uhr

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