Eltern mit kleinem Kind

In Hessen sind als einzigem Bundesland nach einer hr-iNFO Recherche die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe nicht als systemrelevant eingestuft oder gehören zur kritischen Infrastruktur. Dadurch fällt Personal für den Kinderschutz weg, das dringend gebraucht wird. Nun soll sich das in Teilen ändern, wie das Hessische Sozialministerium heute bekanntgab.

Kinderschützer warnen vor einer Zunahme häuslicher Gewalt im Corona-Ausnahmezustand. Familienministerin Franziska Giffey rief Länder und Kommunen deshalb dazu auf, alles zu tun, um Kinder und Jugendliche auch während der Corona-Krise vor Missbrauch und Gewalt zu schützen. Dazu gehöre eine funktionsfähige Kinder- und Jugendhilfe, die Mitarbeiter seien systemrelevant.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Sozialministerium bessert nach: Kindernotbetreuung nun teilweise auch für Mitarbeiter in Kinder- und Jugendhilfe möglich

Kindeswohl
Ende des Audiobeitrags

Eine hr-iNFO-Recherche hat ergeben: Das ist in fast allen Ländern so, die Fachkräfte aus dem Kinder- und Jugendhilfebereich werden als Teil der kritischen Infrastruktur gesehen - und haben damit Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder. Die einzige Ausnahme unter den Ländern ist Hessen. Hier sei die Entscheidung noch nicht getroffen, heißt es aus dem hessischen Sozialministerium. Sozialminister Kai Klose schließt aber nicht aus nachzubessern. Das oberste Ziel der Landesregierung sei aber, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, und dazu gehöre eben auch, dass die Gruppe der Kinder, die betreut werden, möglichst klein bleiben.

Weitere Informationen

UPDATE: Am 9. April gab das Hessische Ministerium für Soziales und Integration bekannt, dass mit Wirkung zum 10. April die Zweite Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus wie folgt geändert wurde:

"Nach § 2 Abs. 2 der Verordnung ist eine Kindernotbetreuung nun auch dann möglich, wenn eine Erziehungsberechtigte oder ein Erziehungsberechtigter Beschäftige/r in einer nach § 45 SGB VIII betriebserlaubnispflichtigen stationären oder teilstationären Einrichtungen ist."

Die Möglichkeit der Kindernotbetreuung können nun also u.a. auch Beschäftigte in (teil-)stationären Einrichtungen der Jugendhilfe in Anspruch nehmen. Noch immer gilt die Regelung damit zwar nicht für die Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter oder in anderen sozialen Einrichtungen, die Änderung sei aber ein durchaus ein wichtiger Baustein und Teilerfolg, heißt es vom Hessischen Städtetag.

Ende der weiteren Informationen

Verschärfte Arbeitssituation

Das hat in Hessen etwa zur Folge, dass in Jugendämtern in Teams von insgesamt 35 Mitarbeitern bis zu 20 Mitarbeiter ausfallen, weil sie ihre Kinder betreuen müssen. Das verschärft die Arbeitssituation in den Jugendämtern, die jetzt in der Krise neue Wege finden müssen, mit den Familien in Kontakt zu bleiben. Betroffen sind auch Mitarbeiter in den stationären Jugendhilfeeinrichtungen wie etwa Wohngruppen oder Heimen, wo derzeit jede Kraft gebraucht wird.

Weitere Informationen

Aktion: Kein Kind alleine lassen

Auf der Webseite www.kein-kind-alleine-lassen.de finden Kinder und Jugendliche direkten Kontakt zu Beratungsstellen. Auch Erwachsene bekommen Informationen, was sie bei sexueller und anderer familiärer Gewalt in der Corona-Krise tun können. Mit der Aktion des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sei der "dringende Appell an die Bevölkerung" verbunden, "in der aktuellen dramatischen Situation Kinder nicht aus den Augen zu verlieren", so Rörig. "Wir geben mit der Website den Menschen die Möglichkeit, aktiv mitzuhelfen. Auf der Seite sind neben Infos und weiteren Weblinks auch Flyer und Plakate zum Ausdrucken. Wir wollen klarmachen: Schon das Aufhängen eines Flyers im Hausflur kann helfen, die Nachbarschaft daran zu erinnern, sich um Kinder und Jugendliche aus dem eigenen Umfeld zu kümmern und aufeinander aufzupassen."

Weitere Anlaufstellen und Hilfsangebote für Opfer finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen
Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Passt mir auf die Kinder auf - Kinderschutz in Zeiten Coronas

Verlassene Puppe
Ende des Audiobeitrags

Dossier: Opfer ohne Stimme - wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 9.4.2020, 6 bis 9 Uhr

Jetzt im Programm