Alles wird gut !" ist mit farbiger Kreide vor einer geschlossenen Boutique auf den Asphalt geschrieben.

Alle Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Dinge verkaufen, sind aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Auch Mode gibt es derzeit nur online. Aber was machen die Geschäfte mit den bereits georderten Klamotten?

In Nidda in der Wetterau haben sich Maximilian und Tobias Häßner ihren beruflichen Traum erfüllt: Vor fünf Jahren hat das Ehepaar hier das "Textilium" eröffnet, ein Modegeschäft auf rund 350 Quadratmetern. Eigentlich sollte jetzt gerade groß Jahrestag gefeiert werden. Stattdessen ist der Laden jetzt erstmal geschlossen, die dicken Pullis und Jacken bleiben verkaufsbereit in den Regalen liegen.

Jetzt würden sie eigentlich den Winterschlussverkauf starten, um die restliche Winterware loszuwerden, erklärt Tobias Häßner, aber "dadurch, dass kein Kunde reinkommen darf, ist das natürlich sehr, sehr schwierig. Da bleiben wir momentan drauf sitzen."

Ware rollt weiter in die Lager

Die ganzen dicken Jacken und Pullis, die gerade im Laden ausliegen, sind schon bezahlt. Muss der Laden wegen der Corona-Verordnungen weiterhin geschlossen bleiben, kommen sie ins Lager und liegen dort bereit für den nächsten Schlussverkauf. "Hoffen wir, dass dann noch jemand Interesse daran hat."

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Und das Problem wird sogar von Tag zu Tag größer, erzählt Maximilian Häßner, weil täglich neue Ware reinkommt: "Weil die Zusage der Politik im Raum stand, dass der Einzelhandel nicht noch mal geschlossen wird, haben wir natürlich vorsichtig, aber relativ planbar eingekauft.“ Das bedeutet, dass zusätzlich zur übrig gebliebenen Winterware jetzt auch noch Frühlingsware dazu kommt.

Das geht im Augenblick allen Modegeschäften so, von der kleinen Boutique an der Ecke bis zur großen Kette. Die Geschäfte mit den Lieferanten sind längst gemacht und die Ware rollt Welle um Welle in die Lager.

Reduzieren, einlagern oder vernichten

Ein wenig kann man - je nach Vertrag - auch wieder zurückgeben, sagt Jochen Roots vom hessischen Handelsverband, aber eben längst nicht alles. Für viele Händler sei das nicht mehr lange zu schaffen. Schließlich werden gerade keine Umsätze generiert, "und je größer die Warenberge werden, umso größer wird der Druck, nachher die Preise zu reduzieren. Und dann werden die Margen auch wieder niedriger."

Im Prinzip bleiben den Händlern nur drei Möglichkeiten, sagt Jochen Roots, der selbst ein Modegeschäft in Friedberg hat: Was sich im nächsten Jahr nicht mehr verkaufen lässt, muss jetzt so weit reduziert werden, dass es zur Not auch mit Verlust, zum Beispiel im Online-Verkauf, rausgeht. Der Großteil wird aber eingelagert und dann in der kommenden Saison wieder ausgepackt.

Weiterkämpfen, bis nichts mehr geht

Vernichtet wird Ware eher selten, entweder von den ganz billigen Discountern oder aber von den ganz teuren Luxusmarken. Für die 50-Cent-Shirts lohnt die Lagerung nicht, und Gucci, Prada und Co. wollen die Preise stabil halten. Alle anderen lagern jetzt, was die Hallen hergeben. Auch Maximilian und Tobias Häßner in ihrem Textilium.

Im Februar oder März zumindest die Frühlingskollektion verkaufen zu können, das wäre schon wichtig, es geht schließlich um ihre Existenz: „Im Endeffekt kämpfen wir weiter, bis nichts mehr geht. Und die Angst besteht natürlich immer darin: Wie lange geht der Lockdown? Und wie geht es nach dem Lockdown weiter?" Diese Fragen stellen sich im Augenblick wohl viele.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.1.2021, 15 bis 18 Uhr

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