Mädchen mit Hacke in einer Plantage

Die Sklaverei wurde offiziell vor mehr als 150 Jahren abgeschhafft. Doch auch heute noch müssen Menschen unter unwürdigen Bedingungen und Zwang arbeiten - auch in Deutschland.

Bei Sklaverei geht es nicht mehr um Menschen mit dicken Ketten an den Hand- und Fußgelenken. Die Ketten heute sind unsichtbar und heißen Armut, Gewalt und Abhängigkeit. Laut dem Global Slavery Index 2018 gibt es weltweit über 45 Millionen Sklaven und Sklavinnen. Darunter auch viele Kinder. Nach Schätzungen von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, müssen weltweit etwa 150 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten.

Brutale Ausbeutung von Kindern

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Zwei schwarze Hände halten eine rostige Kette in den Himmel
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Häufig werden die Mädchen und Jungen brutal ausgebeutet: Sie schuften auf Plantagen und Müllkippen, in Textilfabriken, Bordellen oder hinter verschlossenen Haustüren wie Sklaven – ohne Rechte und für wenig Geld. Wie zum Beispiel die "petites bonnes" in Marokko, so die Leiterin der Kinderhilfsorganisation Bayti in Casablanca Amina Lmalih: „Die Mädchen sind meistens unter 15 Jahre alt, müssen rund um die Uhr im Haushalt schuften, gehen nicht zur Schule – es ist grausam.“

In Krisen- und Kriegsgebieten werden Minderjährige außerdem oft gezwungen, als Soldaten zu kämpfen. Viele der entführten und zwangsrekrutierten Mädchen werden dabei auch zur sexuellen Sklaverei gezwungen.

Moderne Sklaverei auch in Deutschland

Die meisten Menschen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, leben in Indien. Aber auch in Europa und Deutschland kommt diese Form der modernen Sklaverei vor, so Beate Andrees, Leiterin der internationalen Arbeitsorganisation ILO: „Die Fälle, die wir dokumentiert haben, sind vor allem im Haushaltssektor, der Baubranche in der Landwirtschaft und Sexindustrie. Aber auch in Deutschland und Europa zählt dazu die Bettelei, wenn sie unter Zwang stattfindet.“

In Einzelfällen - wie zum Beispiel beim Bau der Spielstätten für die Fußball-WM in Katar - werden schlechte Bezahlung und unmenschliche Arbeitsbedingungen bekannt. In vielen Fällen, wie etwa der Fischerei in Asien, jedoch nicht. Auch dort gehört Zwangsarbeit zum Alltag.

Armut als häufige Ursache

In allen Teilen der Welt, auch hier in Deutschland, werden vor allem Frauen und Mädchen zur Prostitution gezwungen. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks waren es vor allem Frauen und Mädchen aus Osteuropa. Laut Bericht des BKA zum Menschenhandel vom vergangenen Jahr werden auch immer mehr Frauen aus Nigeria, China oder Thailand eingeschleust und dann im Rotlichtmilieu versklavt. Oft werden die Opfer dabei mit falschen Versprechungen angelockt, so Beata Pyka von der Caritas: „Die kommen hierher, oft mit naiven Vorstellungen, dass sich hier mehr Geld verdienen lässt.“

Grundsätzlich lässt sich über moderne Sklaverei festhalten: Häufig ist Armut eine Ursache, die Menschen in ein solches Arbeitsverhältnis geraten lässt. Besonders gefährdet sind Menschen in ungeschützten Situationen und extremer Not. Dazu gehören etwa Menschen, die auf der Flucht sind.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 2.12.2020, 6 bis 9 Uhr

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