Die Türme der Commerzbank und der Deutschen Bank in Frankfurt

Seit Monaten gibt es Gerüchte, die Deutsche Bank könne mit der Commerzbank zusammengehen. So könnte ein neues, nationales Spitzeninstitut entstehen: eine Bank für Deutschland. Wie sollte die idealerweise aussehen?

Ideal: Eine "Deutschland-Bank" muss weltweit aktiv sein

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Das Idealbild für eine "Deutschland-Bank" stammt aus einem Modell, das Frankfurter Finanzprofessoren entworfen haben. Die Ergebnisse im Detail sind am Mittwochabend um 21:45 Uhr in "Plusminus" im Ersten zu sehen. [mehr]

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So eine global tätige Bank brauchen viele deutsche Unternehmen. Zum Beispiel die Firma Eckelmann aus Wiesbaden. Sie ist auf Automatisierung spezialisiert, verkauft ihre Produkte in Asien, Amerika oder auch Afrika. Da brauche man "eine Bank, die die Anforderungen und Gesetze in den Zielländern gut kennt und die uns dann auch beraten kann", sagt Firmenchef Peter Frankenbach. Wie andere internationale Top-Banken sollte ein neuer deutscher Champion in mindestens 70 Ländern vertreten sein.

Die Realität: Die Deutsche Bank ist von diesem Ideal nicht weit entfernt, würde durch eine Fusion mit der Commerzbank aber auch nicht viel gewinnen, meint Rainer Haselmann. Denn "sie Banken haben in den letzten Jahren eben schon angefangen, sehr stark auf eine betriebswirtschaftliche Effizienz dieser Auslandsrepräsentanzen zu achten und da wurde in manchen Märkten ausgedünnt."

Ähnlich sieht es im Investmentbanking aus. Auch dort hat die Deutsche Bank harte Einschnitte hinter sich, zählt in manchem Ranking aber immer noch unter die zehn Top-Investmentbanken - ob mit Commerzbank oder ohne.

Ideal: Eine "Deutschland-Bank" bräuchte Filialen

Auf die können zwar in Zeiten von Online- und Mobilebanking viele Hessen gut verzichten – aber eben nicht alle: Rentner etwa brauchen häufig eine 'normale' Filiale. Filialen sollte auch ein neues, deutsches Spitzeninstitut bereitstellen. Im europäischen Vergleich ist eine Filiale pro 10.000 Kunden Standard.

Die Realität: Die Deutsche Bank und die Commerzbank können diesen Standard erfüllen. Aber "in Deutschland hat man natürlich auch Sparkassen und den Genossenschaftssektor, der eben sehr intensiv Filialgeschäft macht. Da ist es für eine Geschäftsbank gar nicht so leicht zu bestehen", gibt der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Rainer Haselmann zu bedenken.

Sollten Deutsche Bank und Commerzbank also fusionieren, könnten sie im Zuge dieses Zusammenschlusses etliche Filialen schließen. Gut für das Institut, weil es dadurch sparen kann, aber schlecht für die Kunden.

Fazit: Eine "Deutsche Commerzbank" bringt wenige Vorteile, aber viele Risiken mit sich

Eine neue, fusionierte "Deutsche Commerzbank" könnte zwar viele wichtige Kriterien für eine ideale deutsche Großbank erfüllen, aber durch den Zusammenschluss würde sich im Grunde nur wenig verbessern. Der Frankfurter Ökonom Jan-Pieter Krahnen sieht im Gegenteil viele Nachteile. Der größte ist in seinen Augen: Durch die Fusion würde ein neuer Bankenriese entstehen, der "too-big-to-fail" wäre - zu groß, um pleite zu gehen. "Wir würden einen nationalen Champion hier nicht begrüßen, der eben auf Dauer zu staatlichen Verpflichtungen führen könnte", sagt Krahnen.

Das heißt konkret: Würde dieser Bankenriese in Schieflage geraten, könnten zur Rettung wieder einmal Steuergelder fließen

Sendung: hr-iNFO, 6.3.2019, 8:30 Uhr

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