Bobbycar und Jacken in  einer Kita

Kaum sind erste Lockerungen zu erwarten, müssen in Mörfelden-Walldorf mehrere Kitas Corona bedingt schließen. Eine Betreuung mit Maske und Abstand ist nicht möglich, weshalb Erziehungspersonal und Kinder besonders gefährdet sind. Die Stadt fühlt sich vom Land Hessen alleine gelassen.

Als der Sozialdezernent der Stadt Mörfelden-Walldorf, Burkhard Ziegler, vom Ausbruch in der Kita Nummer zehn erfuhr, blieb ihm keine Wahl - er ließ die Kita schließen, auch wenn ihm klar sei, dass er die Geduld der Eltern auf eine harte Probe stelle. "Ich muss ein ganz großes Lob an die Eltern aussprechen – sie arbeiten toll mit und haben viel Verständnis für uns als Träger. Trotzdem ist der Unmut bei vielen Eltern da", so Ziegler.

Sie hätten im März volle Gebühren bezahlt, bekämen aber nur einen Teil der Leistungen, nämlich verkürzte Betreuungszeiten. Die Eltern seien deshalb verärgert, weil sie planen müssten. "Planbarkeit ist aber etwas, was wir derzeit überhaupt nicht haben."

Keine Betreuung mit FFP2-Maske und Abstand

Zur Problematik Planbarkeit passt ein zweites Beispiel aus dem Ortsteil Walldorf: Denn auch hier ist am Montag eine Kita vorsorglich für den Tag geschlossen worden, weil das Ergebnis eines PCR-Tests einer Mitarbeiterin nicht vorgelegen hat. Und an einer dritten Kita sei eine Gruppe in Quarantäne geschickt worden, weil auch hier Corona-Fälle aufgetaucht seien. Allerdings könne der Betrieb teilweise aufrecht erhalten werden.

"Kinderbetreuung – vor allem wenn die Kinder sehr klein sind – kann ja nicht mit FFP-2-Masken und anderthalb Metern Abstand durchgeführt werden, so wie wir die Hygieneregeln eigentlich machen wollen", sagt Ziegler. In Kindertagesstätten gebe es also immer eine erhöhte Gefahr von Infektionen, das betreffe vor allem die Mitarbeiterinnen, die besonderen Gefahren ausgesetzt seien. "Aber auch da: toll wie sie mitmachen, toll, wie es trotzdem funktioniert", lobt der Sozialdezernent.

Ärger über Landesregierung

Die Erzieherinnen würden regelmäßig auf Corona getestet, und der Kreis unternehme viel, um die Fälle nachzuverfolgen. Allerdings, so Ziegler, hätte er sich vom Land Hessen mehr Unterstützung gewünscht: "Was die hessische Landesregierung gemacht hat, was mich besonders ärgert, ist die Tatsache, dass sie jetzt bei dem zweiten Lockdown den Eltern die alleinige Entscheidung belassen hatte, ob sie ihre Kinder in die Tagesstätten bringen oder nicht." In anderen Bundesländern sei das, wie im ersten Lockdown, klar geregelt. Dort waren die Kitas geschlossen und nur Kinder systemrelevanter Eltern hatten einen Anspruch auf Kinderbetreuung.

Denn so steckten viele Eltern im Zwiespalt, gerade diejenigen, die nicht von zu Hause aus arbeiten könnten: Bringe ich mein Kind in die Kita, oder lasse ich es lieber daheim? Burkhard Ziegler glaubt, dass finanzielle Gründe hinter der aktuellen Situation stecken: "Bis Ende vorletzter Woche hatten wir die Empfehlung, die Kinder zu Hause zu betreuen. Das hatte den Hintergrund, dass das Land Hessen den Kommunen auch einen Zuschuss gegeben hat, um die Gebühren rückerstatten zu können", sagt Ziegler.

"Verantwortung wird auf Eltern abgewälzt"

Die Ankündigung der Landesregierung sieht das jetzt nicht mehr vor. Es werde nicht mehr empfohlen, die Kinder zu Hause zu betreuen, sondern lediglich darum gebeten. "Letzten Endes geht es darum: Kriegen die Kommunen einen Zuschuss oder nicht? Das ist finanziell natürlich ein großer Unterschied." Und dadurch werde die Verantwortung auf die Eltern abgewälzt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 01.03.2021, 15 bis 18 Uhr

Jetzt im Programm