Entwicklungsminister Müller in Sambia

Entwicklungsminister Müller lobt die "enorme Solidarität" der afrikanischen Länder untereinander. Er hatte sich in Sambia ein Bild von der Lage an der Grenze zum Kongo gemacht: 40.000 Flüchtlinge hat Sambia bisher aus dem Nachbarland aufgenommen – und bereitet sich auf weitere vor.

Die Bremsen des alten Lkw ächzen und quietschen, als das voll beladene Gefährt zum Stehen kommt. Es hat Güter für den Kongo geladen, Obst, Gemüse, Rohstoffe für den Handel. Doch hier, an der Grenzstation in Chililabombwe, geht erstmal nichts weiter. Rund 17 Kilometer staut es sich hier, an manchen Stellen in zwei Reihen nebeneinander. Autos drängen sich zwischen den stehenden Lastwagen und dem Gegenverkehr vorbei - es ist nicht leicht, durchzukommen.

Am Straßenrand nutzen mobile Händler die Gunst der Stunde, bauen kleine Stände auf, verkaufen Gemüse, das sie auf einer ausgebreiteten Decke aufgetürmt haben, oder Ananas direkt vom Lkw. Das Geschäft scheint zu laufen.

Lkw-Schlange an der Grenze zwischen Sambia und Kongo

Normal ist dieser Stau nicht. Die Lastwagenfahrer hier warten auf ein Signal, dass es im Kongo sicher genug bleibt, um hineinzufahren. Im Moment ist ihnen die politische Situation dort zu unsicher - jetzt, wo überraschend ein Kandidat der Oppositionpartei die Präsidentschaftwahl gewonnen hat.

Interesse an Situation der Flüchtlinge

Es ist Zufall, dass Entwicklungsminister Müller hierher kommen kann, am Tag nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Er nutzt die Zeit, die er wegen des kaputten Regierungsfliegers in Sambia bleiben muss, um sich an der sambisch-kongolesischen Grenze einen Eindruck von der Lage zu verschaffen - und um Vertreter des UNHCR zu treffen, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen.

"Wir sind sehr interessiert an der Situation auf beiden Seiten der Grenze, im Kongo und hier in Sambia", sagt Müller, als er sich den Grenzposten zeigen lässt. "Und vor allem an der Frage: Was passiert mit den Flüchtlingen hier in Sambia?"

Der Verwaltungschef der Region Chililabombwe erläutert die Situation, beide gehen sogar ein paar Schritte hinüber, über den verwaist wirkenden Grenzposten. "Wir arbeiten hier eng zusammen in Sambia, in dieser Region mit dem UNHCR und wir sind bereit, Flüchtlinge, Asylsuchende hier aufzunehmen. Wir haben gemeinsam Pläne vorbereitet für solche Fälle," sagt der Verwaltungschef.

"Jeder, der Asyl sucht, ist willkommen"

Knapp 75.000 Geflüchtete hat Sambia laut UNHCR bislang aufgenommen, gut 41.000 davon aus dem Kongo. Und man sei vorbereitet, bis zu 50.000 weitere aus dem Kongo aufzunehmen, wenn die Lage dort eskaliere, sagt Jean Bosco Ngomoni vom UNHCR: "Die sambische Regierung ist immer sehr offen gewesen gegenüber den Flüchtlingen und die Grenzen sind immer offen geblieben. Wir haben zwölf Grenzübergänge und bisher hat es noch keinerlei Rücksendung oder Abweisung gegeben – jeder, der Asyl sucht, ist willkommen."

Eine enorme Solidarität sei das, die die afrikanischen Länder untereinander leisteten, meint Müller. Dies müsse man auch nach Deutschland mitnehmen: "90 Prozent aller Flüchtlinge auf dem Kontinent Afrika werden von Nachbarländern aufgenommen. Armut hilft den Ärmsten. Und das sind keine Flüchtlinge Richtung Europa."

Zum Ende des Treffens kommt Müller noch auf den Lkw-Stau zu sprechen. Was könne er denn dem Letzten im Stau sagen, wie lange das dauern werde, wenn es weitergehe?, fragt er. Ein Zollbeamter klärt auf: 500 Lkw fahren normalerweise pro Tag über diese Grenze - der Stau dürfte sich also binnen eines Tages aufgelöst haben. Gute Nachrichten seien das, so der Entwicklungsminister.

Doch wann die Lkw-Fahrer mit ihren vollbepackten Trucks weiterfahren werden in den Kongo, wann sie sich dafür sicher genug fühlen, das werden die nächsten Tage in Sambias Nachbarland entscheiden.

Sendung: hr-iNFO, 11.01.2019, 10:50 Uhr

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