Protest im Dannenröder Forst.

"Danni lebt"- das ist das neue Motto der Umweltaktivisten im Dannenröder Forst bei Homberg Ohm. Das Banner mit der Aufschrift hing bis gestern noch im südlichen Teil des Herrenwaldes über der gefällten Schneise. Mittlerweile hat die Polizei es weggeräumt – der Kampf gegen die Autobahn scheint für viele also noch nicht vorbei zu sein.

Vor knapp einem Monat sind im Dannenröder Forst bei Homberg Ohm die letzten Bäume für den Weiterbau der A49 gefallen. Die Trasse verläuft mitten durch den Wald. Hunderte Umweltaktivisten hatten ihn monatelang besetzt und sich der Polizei und den Fällmaschinen in den Weg gestellt. Jetzt sind die Bäume weg, aber die Autobahngegner sind immer doch da.

Einige von ihnen sprechen spanisch, die Bewegung ist international aktiv. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen hat ihre Zelte auf einem riesigen Stapel gefällter Holzstämme im Herrenwald aufgeschlagen, sie campieren auf den Ästen und Baumstämmen, die noch weggeräumt werden müssen. Ihr neustes Ziel: die Nacharbeiten so lange verhindern, dass sich der Autobahnbau insgesamt verzögert, erklärt einer der Aktivisten: "Es gibt noch mehr dieser Stapel. Von daher wird das vielleicht noch bis Februar halten, dann dürfen sie die Stümpfe nicht mehr beseitigen und dann können sie vielleicht nicht mehr dieses Jahr bauen."

Viele der Aktivisten denken: wenn die Wurzeln bis Ende Ende Februar raus sind, darf auch nicht asphaltiert werden. Doch das stimmt so nicht ganz. Die zuständige Firma Deges erklärt dagegen, dass die Wurzelarbeiten auch im Frühjahr noch gemacht werden dürfen. Für sie läuft alles nach Zeitplan. Warum geben die Baumbesetzer also nicht endlich auf? Ein Mann, der das Geschehen im Wald aus der Ferne beobachtet, ist verärgert: "Das ist nicht gut, was die machen. Ich hab das die letzte Zeit beobachtet und das ist unglaublich. Die Sache ist doch beschlossen. Was das jeden Tag kostet, dieser Einsatz hier, das müssten die bezahlen."

Noch immer sind hier an manchen Tagen hunderte Polizeibeamte im Einsatz. Sie sollen verhindern, dass auf den gefällten Flächen neue Barrikaden gebaut werden. Von diesem Ziel haben sich einige Aktivisten schon wieder verabschiedet. Sie planen bereits neue Klimaproteste.

Denn: es geht ihnen nicht nur um die A49 in Mittelhessen, erklärt Hedwig, ein Sprecher der Aktivisten: " Es ist im April ein Klimacamp angedacht, hier in Dannenrod, um sich zu vernetzen und gemeinsam als Bewegung zusammen zu wachsen." Die Proteste hätten etwas im ganzen Land bewirkt: "Samen ausgeteilt. Menschen haben gemerkt, wir können einiges schaffen, wenn wir uns zusammenschließen und so sprießen einfach im ganzen Land verschiedene Formen des Widerstandes auf."

Sie fordern eine Mobilitätswende, wollen verhindern, dass weitere Autobahnen gebaut werden und kämpfen dafür, dass der Klimawandel endlich ernst genommen wird. Dass sie dabei enorme Kosten für die Gesellschaft verursachen und demokratische Entscheidungen ignorieren, scheint für viele in Ordnung zu sein. Gegen einige wird sogar wegen mutmaßlicher Straftaten ermittelt.

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