Lehrer steht an der Tafel

Lehrer werden zunehmend beleidigt, gemobbt oder von Schülern angegriffen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung. Eine klare Aufforderung geht an die Kultus- und Bildungsminister der Länder.

Lehrkräfte in Deutschland bekommen eine Menge ab. An 60 Prozent der Schulen ist es vorgekommen, dass Lehrerinnen oder Lehrer beleidigt, beschimpft, bedroht, belästigt oder in den sozialen Medien gemobbt wurden. Das ist das Ergebnis einer Befragung von rund 1.300 Schulleitungen im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung. Dabei geht es um Vorfälle in den letzten fünf Jahren.

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Lehrer bringt Grundschülern Rechnen bei
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Zu körperlicher Gewalt kam es demzufolge an einem Drittel der Schulen: Lehrkräfte wurden geschlagen, geschüttelt, gestoßen, geboxt, getreten, mit Gegenständen beworfen oder an den Haaren gezogen. "Es war überhaupt kein Bewusstsein für dieses Thema da", sagt VBE-Vorsitzender Udo Beckmann zu den Gründen, aus denen man die Befragung in Auftrag gegeben hat. Vielmehr habe "man versucht uns zu erklären, da braucht man keine Statistiken führen, da handelt es sich nur um Einzelfälle. Das ist kein Problem in der Fläche."

Viele Eltern nicht kooperationsbereit

Deshalb nimmt der Verband seit 2016 das Thema Gewalt an Schulen unter die Lupe. Und seitdem ist die Tendenz steigend. Acht Prozent der Übergriffe gehen sogar von Eltern aus. Sie sind nach Angaben der Schulleitungen auch in 60 Prozent der Fälle nicht kooperationsbereit, wenn es darum geht, mit den Übergriffen ihrer Kinder einen angemessenen Umgang zu finden.

Während es an Grundschulen häufiger zu körperlicher Gewalt kommt, tritt psychische Gewalt über das Internet häufiger nach der Grundschule auf. "Hier sind die Hemmschwellen, ich glaube schon durch unsere Kommunikation im sozialen Netz, durch Hate-Speech, verringert worden und viele Kolleginnen und Kollegen klagen darüber, dass sie häufig beleidigt und verletzt werden", meint Marlies Tepe von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Einfache Meldewege und Ansprechpartner

In einer Stellungnahme des deutschen Lehrerverbandes zu der aktuellen Befragung heißt es, an Brennpunktschulen gebe es deutlich mehr Vorfälle. Auch hätten weibliche Lehrkräfte mit Schülerinnen und Schülern zu kämpfen, die aus einem Kulturkreis stammten, indem Frauen nicht als gleichgestellt angesehen würden. In der aktuellen Befragung gibt es allerdings zu den familiären oder sonstigen Hintergründen der Täter keine Angaben.

Es sei Aufgabe der verantwortlichen Politik, konkrete Statistiken zu führen und diese öffentlich zu machen, sagt Udo Beckmann vom VBE - und auch zu zeigen, "wie man mit dem Thema umgehen beziehungsweise gegen das Thema vorgehen will." Das richtet sich vor allem an die Kultus- und Bildungsministerien der Länder. Der Verband Bildung und Erziehung fordert zudem einfache Meldewege und Ansprechpartner, an die Opfer sich wenden können und von denen sie Hilfe erhalten.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.9.2020, 12 bis 15 Uhr

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