Kokain

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig will mehr gegen den Konsum illegaler Drogen tun. Bei Alkohol und Tabak sieht sie Licht am Ende des Tunnels, bei Kokain und Co. aber nicht.

2020: Das Jahr, in dem Deutschland Tabakwerbung größtenteils verbietet. Als letztes Land in der Europäischen Union. Zumindest der Beschluss steht. Für die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) ist das ein Meilenstein. "In sechs Wochen wird es in Filmen, zu denen Jugendliche Zugang haben, keine Tabakwerbung mehr geben – und auch keine Werbung mehr für E-Zigaretten", sagte sie am Donnerstag bei der Präsentation des neuen Drogen- und Suchtberichts 2020.

"Es wird keine kostenlose Abgabe von Tabak und ähnlichen Produkten auf Veranstaltungen mehr geben und schon gar keine Verlosung", kündigt Ludwig an. Zudem würden sich die Werbefenster im Internet für die Tabakindustrie schließen.

"Prävention wirkt"

Trotzdem wird das Problem Tabak Ludwig weiter begleiten. Jedes Jahr sterben fast 130.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Und: Raucher hätten ein erhöhtes Risiko, schwer an Corona zu erkranken, warnt Ludwig. Das sei vermeidbar.

Nichtsdestotrotz: Bei der Entwicklung im Bereich Alkohol und Tabak sei ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, sagt sie. In allen erfassten Altersgruppen, von 12 bis 64 Jahren, gehe die Zahl der Konsumenten zurück. "Das ist durchaus ein Beweis dafür, dass Prävention wirkt, und auch dafür, dass Gesundheitspolitik mit ständigen Appellen etwas erreichen kann."

"Kokain ist mittlerweile das Mega-Thema"

Das Problem mit illegalen Drogen dagegen werde größer. Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass mehr Ecstasy und vor allem Kokain genommen werden. "Kokain ist mittlerweile das Mega-Thema", so der Befund der Drogenbeauftragten. Es werde nicht mehr nur von einer vermeintlichen "Leistungselite" konsumiert, es sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Die Zahlen zeigen auch, dass mehr gekifft wird. Und deshalb will sich die Drogenbeauftragte mit mehr Budget nächstes Jahr auf illegale Drogen konzentrieren. Präventionslücken müssten geschlossen, Suchtgefährdete früher erreicht und Konsumenten vor dem Absturz bewahrt werden, so Ludwig.

Ersatz bereitstellen, Drogen überprüfen

Da geht es zum Beispiel um Ersatz für die Drogen, etwa harmlosere Alternativen wie Methadon oder auch den Einsatz eines Nasensprays, das einen Atemstillstand bei Überdosierungen verhindern soll. Außerdem geht es ihr auch um das sogenannte "Drug Checking", also zentrale Stellen, die Drogen auf ihre Reinheit überprüfen. Das könne dafür sorgen, dass weniger Menschen an schlechtem Stoff sterben – und dass man mit ihnen in Kontakt kommt. Die Drogenbeauftragte hat also noch einmal klar gemacht: Es geht nicht nur ums Verbieten.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.11.2020, 12-15 Uhr

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