Ein trockener Acker bei Jestädt
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Dunkle Wochen ziehen über den Feldern Europas auf: Beim neuen EU-Haushalt soll in der Landwirtschaft kräftig gespart werden

Was hat der Brexit mit den Bauern zu tun? Mehr, als man zunächst denkt. Denn wenn Großbritannien in Zukunft die Europäische Union verlässt, wird das ein Loch in den EU-Haushalt reißen. Es werden bis zu 13 Milliarden Euro pro Jahr fehlen. Hinzu kommen neue, gemeinsame EU-Aufgaben bei Verteidigung und Migration, beim Grenzschutz und beim Kampf gegen den Terror, für die noch einmal acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr oben drauf kommen.

EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger wird heute Mittag Vorschläge für den neuen, siebenjährigen Haushalt ab 2021 machen, in den die Briten dann nicht mehr einzahlen werden. Gespart werden soll zum Beispiel bei den EU-Geldern für die Landwirtschaft. Denn im derzeitigen Haushalt sind sie mit 39 Prozent einer der größten Einzelposten. Das entspricht rund 58 Milliarden Euro pro Jahr. Nach Oettingers Plänen soll der Agrarsektor um rund sechs Prozent gekürzt werden. Man kann also jetzt schon dunkle Wolken über Äckern und Feldern aufziehen sehen.

Landwirte von EU-Geldern abhängig


"Wir fordern einen stabilen Agrarhaushalt", sagte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied dem ARD-Europamagazin. 70 Prozent Europas seien ländliche Räume und deren Rückgrat sei die Landwirtschaft, so Rukwied. „Ich sage als überzeugter Europäer, der Erhalt eines stabilen EU-Agrarbudgets ist eine gute Investition in die Zukunft und Stärkung der Europäischen Gemeinschaft.“

Die allermeisten Landwirte haben nicht nur einen Anspruch auf EU-Gelder. Sie sind auch von ihnen abhängig, denn die Zahlungen aus Brüssel sind ein wichtiger Teil ihres Einkommens. Sie decken teilweise bis zu 60 Prozent der Betriebskosten ab. Wie hoch die Direktzahlungen sind, hängt von der Größe der bewirtschafteten Fläche ab. Deshalb profitieren bislang vor allem große Landwirtschaftsbetriebe von den EU-Geldern. Geplant ist, in Zukunft für die ersten Hektar mehr zu zahlen und dann bei zunehmender Fläche die Summe pro Hektar zu verringern. Das käme vor allem kleineren Betrieben zugute.

Bayerische Bauern bekommen die meisten Direktzahlungen

Umweltschützer fordern dagegen ein ganz neues Verteilungssystem für die Agarzahlungen. Ihrer Ansicht nach sollte das Geld nicht an die Größe der Fläche, sondern an die Naturschutzmaßnahmen gekoppelt werden. Die Förderlogik muss umgekehrt werden, fordert der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. „Erstmal definieren wir den Ökostandard als den Goldstandard der Agrarförderung, und dann wird runtergebrochen. Wer am Ende gar nichts für Umweltschutz tut, und sein Hähnchenfleisch nach Afrika verkaufen will, warum soll ich den dann unterstützen mit europäischen Geldern?! Denn das hat ja keinen Nutzen für die Öffentlichkeit, sondern es dient dem Privatinteresse eines Unternehmens.“

Bayerische Bauern bekommen die meisten Direktzahlungen Was soll der neue EU-Haushalt ab 2021 mit dem Geld europäischer Steuerzahler finanzieren und was nicht? Diese Diskussion beginnt gerade erst. Von den Agrarförderungen profitieren deutsche Landwirte bislang erheblich. Bayerische Bauern bekommen die meisten Direktzahlungen. Mit größerem Abstand folgen Niedersachsen mit Bremen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Verlierer des neuen EU-Haushalts ohne die Briten könnten vor allem große Landwirtschaftsbetriebe werden. Der Brexit und die Bauern – sie haben also doch viel mehr miteinander zu tun als man zunächst glaubt.

Sendung: hr-iNFO, 2.5.18, 9:10 Uhr

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