Mit einer Lachgasflasche werden Luftballons befüllt

Eigentlich wird Lachgas benutzt, um Sahne zu schlagen oder Luftballons aufzublasen. Weil in den Niederlanden aber immer wieder Jugendliche das Gas lieber einatmen, könnte es nun verboten werden.

Ein Besuch im ersten Lachgas-Shop von Venray – einem grenznahen Örtchen etwas nördlich von Venlo: Mathieu Hölzken verkauft hier bunte Luftballons, die nicht mit Helium gefüllt sind, sondern mit Di-Stickstoffmonoxid – oder eben Lachgas. Wer es einatmet, erlebt einen Rausch, der manchmal schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei ist. So wirkt das Gas wie eine Droge, die Hölzken für fünf Euro pro Ballon verkauft. Drei Stück gibt es für 12,50 Euro.

Geringe Hemmschwelle

Wie lange das noch erlaubt ist? Ungewiss. In den Niederlanden wird ein derzeit heftig über ein Lachgas-Verbot diskutiert. "Wenn du es für die Jugend freigibst und ihnen erklärst, wie man verantwortungsvoll und kontrolliert damit umgeht, dann ist das besser, als die Augen zu schließen und so zu tun, als wäre es weg aus den Niederlanden", ist hingegen Hölzken überzeugt.

Bei Partys, Festivals und Großveranstaltungen ist das Einatmen von Lachgas ein echter Trend. Die zum Aufblasen der Ballons benötigten Gaspatronen gibt es in vielen Geschäften problemlos zu kaufen – im Internet kostet der 50er-Pack gerade mal 25 Euro. Es gibt also kaum Hemmschwellen, es mal auszuprobieren.

Alkmaar greift als erstes durch

Nach dem Königstag, der Ende April in allen Städten des Landes ausgiebig gefeiert wird, lagen vor allem die Straßen in Amsterdam voll mit den kleinen Patronen, die eigentlich als Treibgas für Sahne-Sprühflachen verwendet werden. In Alkmaar hatte Bürgermeister Piet Bruinooge daher schon vor den Festivitäten den Gebrauch von Lachgas verboten.

"Das Risiko liegt im unberechenbaren Verhalten der meist jungen Konsumenten. Man kann bewusstlos werden, umfallen - auch Halluzinieren kann gefährlich sein bei einer gut besuchten Veranstaltung", begründet der Bürgermeister seine Entscheidung. Seine Meinung ist keine exklusive.

Vom Arzneimittel zur Ware

Utrecht, Amsterdam, Enschede, Nijmegen: Immer mehr Kommunen wollen den freien Verkauf von Lachgas verbieten. Die Parlamentsabgeordnete Anne Kuik plädiert sogar für ein landesweites Verbot. "Wir müssen dafür sorgen, dass es nicht mehr so leicht erhältlich ist. Es fiel bis 2016 noch unter das Arzneimittelgesetz. Durch ein Gerichtsurteil fällt es seitdem unter das Warengesetz. Und dadurch kann es jetzt verkauft werden", sagt die Christdemokratin.

So wie im ersten Lachgas-Shop von Venray, dem Besitzer Mathieu Hölzken einen treffenden Namen gegeben hat: "Valse Lucht" heißt sein Laden – "Falsche Luft".

Mathieu Hölzken in seinem Lachgas-Laden

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.08.2019, 9-12 Uhr

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