Roboter serviert Kaffee

Statt Menschen mit Masken servieren in einem Café in Südkorea jetzt Roboter die Getränke - garantiert virusfrei. Doch der Service durch die Maschine hat nicht nur Vorteile.

Ein helles Café mit verglasten Scheiben, einigen Sofas und mehreren Tischen: Auf den ersten Blick sieht das Café in der Daejeon im Zentrum Südkoreas aus wie jedes andere, dabei ist hier alles Hightech. Zwei Roboter fahren mit viel Blingbling durch den großzügigen Raum.

Mit einem Schwung frischem Café fahren die weißen Geräte zu den Kunden an den Tisch: "Hier der Café Americano, genießen Sie ihn." Wer Zucker, Milch oder einen Strohhalm will, greift dem Roboter sozusagen an den Bauch. "Schmeckt genauso, als wäre er von Hand gemacht", sagt ein 35-jähriger Südkoreaner nach dem ersten Testschluck.

Von der Bestellung bis zum Service

Das Café ist vollautomatisiert. Insgesamt stehen 60 Getränke zur Auswahl. Bestellt wird per Knopfdruck, dann läuft das Getränk in den Becher, der Roboterarm schiebt es in den Wagen und dann geht’s zum Tisch.

Lee Dong-Bae ist Forschungsdirektor bei Vision Semicon. Das Unternehmen hat die Roboter gemeinsam mit einem staatlichen Institut entwickelt. "Unser System funktioniert von der Bestellung bis zum Servieren ohne menschliches Eingreifen", sagt er. "Die Tische sind so platziert, dass sich die Roboter bequem bewegen können, und das passt gut zu den gegenwärtigen Abstandsregeln."

Maximal sechs Getränke können die Maschinen pro Auftrag bearbeiten. In sieben Minuten ist alles fertig - schneller als so manche Bedienungen in südkoreanischen Caféröstereien. In dem ganzen Geschäft gibt es nur einen menschlichen Mitarbeiter und der ist Mädchen für alles: backen, sauber machen und nachfüllen.

Sorge um Nebenjobs

Klar, in Coronazeiten können Roboter natürlich vorteilhaft sein, sagt eine Studentin, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: "Derzeit wird viel über Automatisierung gesprochen. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, denn alle meine Freunde haben Teilzeitjobs in Cafés und diese Roboter würden sie ersetzen."

Das würde die prekäre, finanzielle Situation vieler junger Menschen in Südkorea, die sich durch Corona noch zugespitzt hat, weiter verschlimmern. Nebenbei sieht man in dem Robotercafé auch, was die Technik nicht vermag zu lösen: Die Kunden sitzen nämlich schön eng an einem Sechsertisch zusammen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.5.2020, 9 bis 12 Uhr

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