Alstadt von Jerusalem, Felsendom

Zur Karwoche pilgern normalerweise tausende Gläubige nach Jerusalem. Wegen Corona wird in diesem Jahr alles anders sein.

Großreinemachen vor der Grabeskirche. Aufnahmen zeigen, wie Arbeiter Desinfektionsmittel auf den Boden schütten. Dort, wo normalerweise hunderte Pilger und Touristen stehen. Jerusalems Christen bereiten sich auf die wichtigsten Tage des Jahres vor. Die Karwoche. Palmsonntag. Ostern. Doch dieses Mal wird alles anders sein.

Das Pilgerhaus muss leer bleiben

"Normalerweise sind hier abertausende von Menschen unterwegs. Katholiken, Protestanten, Orthodoxe", sagt Markus Bugnyar. Er ist Priester und Rektor des Österreichischen Hospizes in der Altstadt von Jerusalem. Sein Pilgerhaus mit der sehr langen Tradition wird diesmal fast leer stehen. "Ich habe manchmal das Gefühl: Ich kann das noch gar nicht realisieren und auch nicht richtig einschätzen. Wie sich das tatsächlich angefühlt haben wird. Mit im Grunde genommen niemandem und auf sich alleine gestellt und zurückgeworfen, vielleicht noch mit einer kleinen Hausgemeinschaft diese Ostertage zu feiern."

Dabei lebe Ostern doch normalerweise davon, ein Fest der Massen zu sein, so der österreichische Priester, der seit über 15 Jahren in Jerusalem lebt.

"Sogar in Kriegen kamen die Menschen"

An Palmsonntag erinnern einheimische Christen und tausende Pilger normalerweise an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Mit einer Prozession über den Ölberg in die Altstadt. Doch wegen der Corona-Krise hat das lateinische Patriarchat von Jerusalem diese Prozession abgesagt.

Wadie Abunassar ist ein Sprecher der katholischen Kirche im Heiligen Land. Als er gefragt wird, ob es so etwas schon einmal gegeben habe, in der langen Geschichte des Christentums in Jerusalem, muss er passen. "Ich bin ganz ehrlich: Ich kenne keinen solchen Fall. Ich habe nachgeforscht, Leute gefragt. Niemand konnte mir eine gute Antwort geben. Natürlich gab es Auf und Abs. Aber sogar in Kriegen oder bei anderen Seuchen kamen die Menschen an Ostern zusammen."

Maximal zehn Menschen pro Gotteshaus

Die Altstadt von Jerusalem – die auch die Palästinenser beanspruchen – wird von Israel kontrolliert. Also gelten hier die Beschränkungen der israelischen Regierung im Kampf gegen das Virus. Maximal zehn Menschen dürfen sich in einem Gotteshaus gleichzeitig aufhalten. Vor allem in der Grabeskirche, die sich mehrere christliche Konfessionen teilen, ist das in den Ostertagen eine logistische Herausforderung. Der Kirchensprecher Abunassar findet es richtig, dass viele Veranstaltungen abgesagt wurden. Aber: "Für uns ist es extrem wichtig, dass die Gebete stattfinden. Die können wir nicht absagen. Wir werden vielleicht manche Zeremonien absagen. Die Gebete aber wird es geben."

Die Christen in Jerusalem setzen nun auf Live-Streams aus den Kirchen. Damit die Pilger, die zu Hause bleiben müssen, trotzdem irgendwie in Jerusalem sein können.

Palmsonntag nur noch in der Vergangenheitsform

Auch Markus Bugnyar plant einen Live-Stream, wenn er am Palmsonntag die Messe feiert. Auf dem Dach des österreichischen Hospizes, gemeinsam mit Mitarbeitern. Auch der Priester kennt keine vergleichbare Krise wie diese in Jerusalems Geschichte. Zumindest fand er keinen Hinweis in der Chronik des Hospizes, das 1863 gegründet wurde.

Und so spricht der Österreicher in der Vergangenheitsform, wenn er von Palmsonntagen in Jerusalem erzählt. "Die Straßen waren voll, überbordend. Und natürlich auch die Freude derer, die an solchen Ereignissen teilnehmen konnten." Bugnyar hofft, dass es an Palmsonntag im Jahr 2021 wieder voller wird. Und er ist überzeugt: Sobald es wieder die ersten Flüge nach Israel gibt, kommen auch die ersten Pilger zurück.  

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 3.04.2020, 12-15 Uhr

Jetzt im Programm