Lastenfahrrad / Lastenrad / Cargo-E-Bike

Mit dem Onlinehandel boomt auch der Lieferverkehr. Vor allem in Großstädten wie Frankfurt belastet das Umwelt und Verkehrswege. Ein Frankfurter Forschungsprojekt hat jetzt eine Alternative entwickelt.

Ein gelber Kleintransporter, der an einer engen Einbahnstraße genau auf der Ecke vom Bürgersteig parkt. Oder ein Paketbote, der mit Warnblinkanlage in zweiter Reihe steht. Wer in einer Großstadt wohnt, kennt das. Und: Es nervt! Noch dazu werden die Paketboten, die in den Straßen unterwegs sind, eher mehr als weniger.

Denn die Anzahl der Online-Bestellungen und Auslieferungen bis vor die Haustür steigt – in der Corona-Krise haben noch mehr Menschen online eingekauft. Die Folge: noch mehr Abgase, noch mehr Verkehr. Gut, wenn es da Visionen gibt, wie man das ändern könnte. Eine vielversprechende kommt jetzt von der der Fachhochschule in Frankfurt, der Frankfurt University of Applied Sciences.

Lastenrad am Besten geeignet

Es geht um das letzte Stück Weg, das ein online bestelltes Paket zurücklegt - bis zur Haustür des Kunden. Die sogenannte "letzte Meile". Auf der gibt es immer wieder Ärger - vor allem in großen Städten wie Frankfurt. Kai-Oliver Schocke, der das Research Lab of Urban Transport an der Frankfurt University leitet, hat eine Lösung gefunden: "Wir sind mit Paketfahrern mitgefahren, wir haben uns überlegt, wie man ausliefern kann. Und wir kamen zu dem Schluss, dass am Besten ein Lastenfahrrad geeignet ist."

Das Forschungsprojekt wurde vom Land Hessen finanziert. Die Idee: Alle Pakete werden an einen zentralen Ort im jeweiligen Stadtteil geliefert - das sogenannte DeinDepot - und von dort aus mit elektrischen Lastenfahrrädern weiterverteilt. "Das Konzept für die Fahrräder ist, dass sie einen Container hinten drauf haben. Da passen ungefähr 60 Pakete rein und diese 60 Pakete werden ausgeliefert. Und weil das Lager ganz nah im Auslieferungsbezirk liegt, können die Lieferanten ganz schnell ausliefern, zurückfahren, neuen Container holen und die wieder ausliefern", erklärt Schocke.

Keine Zustimmung nötig

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Kleintransporter können ihre Pakete an einem zentralen Ort abladen und müssen nicht mehr quer durch all die kleinen Straßen fahren. Carsten Hansen vom Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) sieht durchaus auch Vorteile für die Paketdienstleister: "Diese Idee finden wir sehr gut, denn die Bündelung von Sendungsgütern ist natürlich immer dann gut, wenn dadurch Effizienzvorteile gewonnen werden."

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Sprich: Hermes, DHL und Co sparen sich vor allem die vielen erfolglosen Zustellungen, wenn ein Kunde wieder einmal nicht zu Hause ist. Doch die einzelnen Firmen sind Konkurrenten. Und könnten deshalb gegen ein zentrales Depot sein. Dana Stolte, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei dem Forschungsprojekt, sieht darin kein Problem: "Über die Variante, die wir uns bei DeinDepot überlegt haben, würden wir umgehen, dass die Paketdienstleister dem zustimmen müssen. Wenn ein Kunde das DeinDepot als Lieferadresse angibt, dann ist es so, als wenn er die Heimatadresse angibt."

Etwas mehr pro Paket zahlen

Danach gibt es drei Möglichkeiten: Der Kunde kann sich sein Paket entweder per Fahrrad liefern lassen oder es alternativ auch selbst vor Ort oder außerhalb der Öffnungszeiten aus einer Art Paketwand abholen. Die Idee kommt bei vielen Hessen gut an: "Finde ich eigentlich ganz gut, weil ich eigentlich nie zu Hause bin, wenn die Pakete ankommen", sagt eine Passantin. In einer repräsentativen Befragung der Frankfurt University haben immerhin 60 Prozent der Befragten angegeben, dass sie ein solches Depot nutzen würden.

Das alles ist aber noch reine Theorie. Carsten Hansen vom Verband BIEK, in dem unter anderem Hermes und UPS organisiert sind, ist skeptisch, ob sich ein solches Modell in die Realität umsetzen lässt: "Ich könnte mir vorstellen, dass der Nachteil darin liegt, dass es sich betriebswirtschaftlich nicht rechnet." In der Tat: Mitarbeiter und Fahrradkuriere müssen bezahlt werden. Und: Man braucht auch entsprechend viel Platz, um all die Pakete lagern zu können. Die Kunden müssten bereit sein, etwas mehr pro Paket zu zahlen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.07.2020, 06 bis 09 Uhr

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