Das Wort "Hitzefrei" steht an einer Schultafel.
In Frankfurts Passivhausschulen soll die Hitze im Sommer besonders schlimm gewesen sein. Bild © Imago Images

Der heiße Sommer hat einige Hessen an ihre Grenzen gebracht. Besonders schlimm war die Lage in Frankfurts Passivhausschulen, klagen Kinder und Lehrkräfte. Die Stadt wiegelt ab.

Dieser Sommer war für Lehrer wie Schüler unerträglich. Das Gymnasium am Riedberg in Frankfurt ist eine Passivhausschule. Man habe vor allem mit stickiger Luft und hohen Temperaturen zu kämpfen gehabt. "Das fängt morgens an bei 29 Grad und anschließend, sag‘ ich mal, um 12 Uhr sind es 33 Grad. Und da ist natürlich mit der Konzentration der Schüler nicht mehr viel her", klagt Schulleiter Helmut Kühnberger.

"Wenn die Wärme drin ist, ist sie drin"

Von schlechter Luft und Überhitzung berichten auch andere Passivhausschulen. An der Rebstockschule Frankfurt gab es immer wieder Beschwerden. Den Direktor des Deutschen Architektur-Museums Peter Cachola-Schmal wundern diese Geschichten nicht. Oft könne man Passivhäuser nicht oder nur schlecht durchlüften. "Wenn die Wärme drin ist, ist sie drin. Der Witz an einem Passivhaus ist ja, dass die innere Temperatur gehalten wird und dann haben sie ein Problem", erklärt Cachola-Schmal.

Die Stadt Frankfurt sieht das – zumindest offiziell – anders. Das Amt für Bau und Immobilien antwortet auf Nachfrage schriftlich: "Schulen im Passivhaus-Standard neigen im Sommer weniger zu Überhitzungen als sonst baugleiche Schulen in konventionellem Standard. Dies liegt zum Einen an der verbesserten Wärmedämmung, die die Hitze bei hohen Außentemperaturen draußen hält."

Beschwedern beim Gesundheitsamt

In den letzten Jahren liefen beim Gesundheitsamt allerdings vermehrt Beschwerden ein, unter anderem wegen überhitzter Unterrichtsräume und schlechter Luftqualität  – gerade von Passivhausschulen. Deswegen hat die Stadt eine ämter- und dezernatsübergreifende Arbeitsgruppe "Schule-Bauen-Gesundheit" eingerichtet hat, deren Vorsitzende Ursel Heudorf ist.

Die stellvertretende Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamts ist kritisch, was Passivhausschulen angeht. "In der Situation Schule ist es ja so, dass man lauter 37-Grad-Öfchen in einen Klassenraum steckt und dadurch ja auch Heizenergie spart. So ist es ja auch gedacht im Winter. Aber diese 37-Grad-Öfchen kommen ja auch im Sommer und da muss man dann schauen, wie die Energie wieder abgeführt werden kann. Da suchen wir momentan nach Lösungen", so Heudorf.

Besser über die Nutzung informieren

Die Stadt Frankfurt hält trotzdem an der Bauweise fest – auch bei Schulen. Sie nennt sich selbst Passivhaus-Hauptstadt und betont, wie viel Geld und Energie mit dem neuen Baustandard gespart werde. Heudorf hält genau dieses Argument für falsch. Sie plädiert, "dass wir Schulen für Kinder bauen sollten und nicht als Energiesparobjekte."

Und sie sieht noch ein anderes Problem: Nämlich, dass die Schulen häufig mit der anspruchsvollen Technik allein gelassen würden und über die richtige Anwendung nicht informiert seien. Man dürfe in einer Passivhausschule durchaus lüften, wenn etwa die Raumluftanlage nicht ordnungsgemäß läuft. Auch daran will Frankfurt in Zukunft arbeiten. Alle Passivhausschulen sollen, so das Gesundheitsamt in einem Prüfbericht von 2017 über die Rebstockschule, besser über die korrekte Nutzung informiert werden.

Sendung: hr-iNFO, 29.08.2018, 10.20 Uhr

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