Adipöse Kinder beim Seilchen springen
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Einem Krankenkassen-Report zufolge leiden Kinder von Eltern, die keinen Bildungsabschluss haben, zweieinhalb Mal so häufig an Fettleibigkeit. 52 von 1.000 Kindern bildungsarmer Eltern sind betroffen. Was sind die Gründe für die Krankheit?

Adipositas ist eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit. Ihr Kennzeichen ist starkes Übergewicht, weil sich das Körperfett übermäßig stark vermehrt hat. Man spricht deshalb auch von Fettleibigkeit oder Fettsucht. Adipositas belastet alle Organe, vor allem aber Herz und Lunge sowie die tragenden Gelenke. Ihre Folge können deshalb Herz-Kreislauf-Krankheiten sein. Es steigt aber auch das Risiko für Diabetes oder Krebs. Die größte Krankheitsgefahr besteht, wenn sich zu viel Fett am Bauch gesammelt hat.

Wie kommt es zur Adipositas? Die Antwort ist einfach: Wir essen, um unserem Körper die Energie zum Überleben zuzuführen. Führen wir unserem Körper über längere Zeit mehr Energie zu, als er verbrauchen kann, dann speichert er diese überschüssige Energie. Und zwar in den Fettzellen, den Energiespeichern unseres Körpers. Schon kleine tägliche Überschüsse reichen aus, um auf längere Sicht zuzunehmen.

Reiner Hunger treibt immer seltener zum Essen an

Früher wurden diese Speicher immer wieder geleert: in schlechten Zeiten mit zu geringem Nahrungsangebot. In unserer aktuellen Wohlstandsgesellschaft gibt es solche Notzeiten allerdings kaum noch. Reiner Hunger treibt unsere Nahrungsaufnahme immer weniger an. Appetit, Genuss und ein dauerhaft verführerisches Angebot verleiten uns immer wieder, einen über den Hunger zu essen.

Allerdings gibt es daneben noch weitere Ursachen für Adipositas: Zum einen sind auch die Gene im Spiel, wenn Übergewicht entsteht. Die Gene entscheiden etwa darüber, ob man ein guter oder schlechter Futterverwerter ist. Manche Menschen brauchen einfach weniger Nahrungsenergie als andere und sind deshalb besonders gefährdet zuzunehmen. Zum anderen spielt auch die Psyche eine Rolle. Übermäßiges Essen dient beispielsweise der Stressbewältigung oder der Stimmungsaufhellung. 

Sind Fettdepots erst einmal entstanden, wird es schwer, sie wieder abzubauen. Denn die Anzahl der Fettzellen ist beim Erwachsenen weitestgehend konstant. Das heißt: Per Diät kann man ihre Anzahl kaum reduzieren, man kann sie nur zum Schrumpfen bringen. Aber auch das kann schon hilfreich sein.

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Kinder- und Jugendreport der DAK

Die Krankenkasse hat die Versichtertendaten von fast 600.000 Kindern und 430.000 Eltern ausgewertet. Laut Studie sind 90 Prozent aller Kinder wenigstens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Jedes vierte Kind ist körperlich und jedes zehnte psychisch chronisch krank. Die häufigsten Erkrankungen im Kindesalter sind Atemwegserkrankungen. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) aller Jungen und Mädchen hatte beispielsweise eine Erkältung oder Bronchitis. Es folgen Infektionskrankheiten (37 Prozent), Augenerkrankungen (30 Prozent), psychische Leiden (26 Prozent) und Hauterkrankungen (25 Prozent).

Die DAK-Studie zeigt klare Zusammenhänge zwischen dem Bildungsstatus der Eltern und dem Gesundheitszustand ihrer Kinder. Die Unterschiede je nach Bildungsstatus der Eltern werden u.a. bei Adipositas deutlich: Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss sind im Alter zwischen fünf und neun Jahren bis zu 2,5 Mal häufiger von Fettleibigkeit betroffen als Kinder von Akademikereltern. Laut DAK-Report haben von 1.000 Kindern bildungsarmer Eltern 52 ein krankhaftes Übergewicht – bei Akademikerkindern sind es nur 15 Jungen und Mädchen von 1.000.
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Sendung: hr-iNFO, 18.9.2018, 15.20 Uhr

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