Greta Thunberg
Greta Thunberg Bild © picture-alliance/dpa

Eine 16-Jährige ist in kürzester Zeit zur Leitfigur einer ganzen Bewegung geworden: Greta Thunberg ist Initiatorin der "Fridays-for-Future"-Proteste für den Klimaschutz. Was für ein Mensch ist die junge Aktivistin?

"Es ist super, dass so viele Kinder verstanden haben, dass es unsere Zukunft ist, die wir schützen müssen", sagte die 16-jährige Greta, als sie mal wieder an ihrem inzwischen nur noch ab und zu freitags genutzten Stammplatz vor dem Reichstag in Stockholm demonstrierte. Sie ist nicht mehr regelmäßig da, weil international gefragt und aktiv.

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Thunberg wird am Freitag am Fridays-for-Future-Protest in Berlin teilnehmen und das Potsdam-Institut für Klimaforschung besuchen. Zudem erhält sie am Samstag in Berlin einen Sonderpreis Klimaschutz bei der Verleihung der "Goldenen Kamera".

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In Schweden ist sie aber schon seit Beginn ihres Streiks für den Klimaschutz im Spätsommer 2018 ein Star und Medienliebling und hat rund um die Welt viele auch erwachsene Mit-Streiker gefunden. Inzwischen wurde sie von schwedischen Zeitungen zur "Frau des Jahres" ernannt und ist sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

Politiker sollen "in Panik geraten"

Sie hat viel geschafft, sieht sich aber noch lange nicht am Ziel. Vielen Menschen sei nicht klar, dass wir uns in einer Krise befänden, sagte sie. "Ich habe Politiker getroffen, die nicht mal Grundkenntnisse übers Klima haben. Sie kennen weder den Albedo-Effekt noch den Venuseffekt, nicht mal die Keeling-Kurve. Das ist beängstigend". Politiker oder auch Journalisten hätten nicht die geringste Ahnung, was die Schicksalsfrage unserer Zeit angehe.

Schild mit der Aufschrift "I am with Greta" bei einem Schülerprotest in Berlin
Schild bei einem Schülerprotest in Berlin Bild © picture-alliance/dpa

Greta will nun nicht jedem die Keeling-Kurve erklären, die die CO2-Zunahme in der Atmosphäre beschreibt. Aber sie will, dass Politiker beim Thema Klimaschutz  "in Panik geraten" und dabei wird sie von ihren Eltern kräftig unterstützt: einem Schauspieler und der bekannten Opernsängerin und Aktivistin Malena Ernman, die ihrerseits gerade den Flygskam-Trend fördert, also den Verzicht aufs umweltschädliche Reisen mit dem Flugzeug. Dabei treffen sie in Schweden auf sehr viel Zustimmung.

Diagnose Asperger-Syndrom

Es gibt allerdings hier und da auch Leute, die sich Sorgen um Greta machen. Denn sie ist nicht gesund. Als Achtjährige begann sie zu weinen, ging nicht mehr aus dem Haus und aß nichts mehr, weil sie in der Schule einen Film über Plastikmüll in den Meeren gesehen hatte. Später kam die Diagnose Asperger-Syndrom - eine Variante des Autismus.

Darüber sprach sie ganz offen in der Talkshow "Skavlan": "Hätte ich kein Asperger und wäre ich nicht so merkwürdig, dann hätte ich mich wohl auch in den sozialen Netzwerken verfangen, nach denen alle so verrückt zu sein scheinen. Ich sehe die Welt aber anders und glaube, dass ich sonst nicht in der Lage wäre, von außen auf das Problem zu schauen."

"Warum für eine Zukunft lernen, die es vielleicht nicht gibt?"

Während von außen auch auf sie geschaut wird - und nicht immer nur bewundernd. Eine südschwedische Kirchengemeinde twitterte: "Jesus hat einen Nachfolger bestimmt: Es ist Greta Thunberg". Auf der anderen Seite hat man ihr hier die Sache mit dem Atomstrom nicht krumm genommen. Sie hatte, übrigens dann doch in einem sozialen Netzwerk, den Weltklimarat zitiert, der Kernkraft als Teil einer CO2-armen Energieversorgung für denkbar hält, und erst nach Protesten ihrer Fans hatte sie dann erklärt, dass sie ja eigentlich persönlich dagegen sei. Schwamm drüber.

Mehr als ein Drittel des schwedischen Stroms kommt aus AKW und auch die Schulstreiks werden hier mehr akzeptiert als kritisiert. Erstens ist das politisch korrekt und darauf legt man in Schweden sehr viel Wert und zweitens finden einfach viele, dass sie recht hat mit ihrer Rechtfertigung: "Warum soll man für eine Zukunft lernen, die es vielleicht gar nicht gibt? Und warum soll man Fakten pauken, wenn die wichtigsten Fakten von der Gesellschaft nicht ernst genommen werden?"

Sendung: hr-iNFO, 28.3.2019, 12:30 Uhr

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