Plakat bei einer Demo mit der Aufschrift "Kirchenamt in Frauenhand"

Es ist eine Streitfrage: Frauen in der katholischen Kirche bleibt das Priesteramt verwehrt, auch wenn sie sich noch so berufen dazu fühlen. Welche Argumente bringt die Kirche vor und was sagen betroffene Frauen dazu?

Warum kann eine Frau in der katholischen Kirche eigentlich nicht am Altar stehen und die Eucharistie feiern? Weil der Priester Jesus repräsentieren soll. Deswegen soll er Jesus ähneln, und zwar darin, dass er das gleiche Geschlecht hat wie Jesus, also ein Mann ist. Diese Begründung gibt es schon seit Jahrhunderten. Aber sie ist in der letzten Zeit aufgewertet worden, besonders 1976 durch eine Erklärung der Glaubenskongregation im Vatikan.

Eine Gott vorbehaltene Vollmacht?

Geschlecht als das Kriterium für Ähnlichkeit mit Jesus? Christiane Florin, Journalistin, engagierte Katholikin und Autorin des Buches "Weiberaufstand", ist nicht überzeugt. Es sei eines der Hauptargumente und auch eines, das immer wichtiger geworden sei - "wie ja überhaupt dieser Ausschluss der Frauen vom Priesteramt immer wichtiger geworden ist." Das scheine ein Identitätsthema zu sein, meint Florin. "Aber ist das wirklich die zentrale Glaubensfrage, dass Frauen nicht in alle Ämter kommen können?“

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hr-iNFO Wissenswert

Mit dem Priesteramt für Frauen in der katholischen Kirche beschäftigen wir uns in "Wissenswert" am 31.12.2020 um 6:35 Uhr. Im Anschluss finden Sie sie Sendung hier als Podcast.

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Die Diskussion um die Frauenweihe ebbte jedenfalls nicht ab. 1994 versuchte Papst Johannes Paul II. sie mit einem Machtwort zu beenden. Die Kirche habe keinerlei Vollmacht, Frauen zu weihen. Diese Vollmacht sei Gott vorbehalten. Dass die Kirche gar nicht über die Frauenweihe entscheiden kann, darauf berufen sich konservative Katholiken auch heute gerne.

Zum Priesteramt berufen

Die Frage bleibt, warum muss das Geschlecht so sehr im Vordergrund stehen? "Die Amtsbeschreibung als solche, das, was ein Priester können soll, was er ausstrahlen soll, Sakramente spenden - da fragt man sich ja schon, warum sollen Frauen das nicht können?", fragt die Journalistin Florin. "Ich bin ja nun vielen Frauen begegnet, die auch von sich sagen, ich fühle mich zum Priesteramt berufen."

Die Journalistin und Theologin Jacqueline Straub ist eine solche Frau. Schon im Alter von 15 Jahren spürte sie in sich die Berufung, katholische Priesterin zu werden. Aber auch heute, mit 30, darf sie das nicht. „Ich möchte Priesterin werden. Ich möchte predigen können, ich möchte das Evangelium verkünden können. Und vor allem: Ich möchte für die Menschen da sein und eben die Sakramente spenden, die auch mir unglaublich viel Kraft geben.“

Die Kirche und der Zeitgeist

Der Vatikan sagt, es hat nie Priesterinnen in der katholischen Kirche gegeben. Das ist das andere wichtige Argument in der Diskussion: die Tradition. Jetzt die Frauenweihe einzuführen, das sei ein Zugeständnis an den Zeitgeist und daher falsch.

Zitat
„Bei den ersten Christen wurde die Gleichheit unter Mann und Frau gepflegt.“ Zitat von Jacqueline Straub, Theologin und Journalistin
Zitat Ende

Straub hält dagegen, die Kirche selbst habe sich schließlich immer schon verändert, „Dass Frauen heute überhaupt diskriminiert werden in der katholischen Kirche - da hat sich die Kirche im dritten, vierten Jahrhundert an den Zeitgeist des Römischen Reichs angepasst. Bei den ersten Christen wurde die Gleichheit unter Mann und Frau gepflegt, Männer und Frauen durften die gleichen Ämter und auch die gleichen Aufgaben ausführen." Dann sei es zu einer Anpassung an die Gesellschaft gekommen, so Straub. "Und in der römischen Gesellschaft wurde die Frau eben als Mensch zweiter Klasse angesehen.“

Papst Franziskus hat bisher keinen Zweifel daran gelassen: Die Frauenweihe wird nicht kommen.

Sendung: hr-iNFO "Wissenswert", 31.12.2020, 6:35 Uhr

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