Ein Kunde bezahlt in einem Geschäft mit seinem Handy .

Manche schwören auf Bargeld, zum Beispiel weil sie ihre Ausgaben damit besser überblicken können. Anderen ist Bargeld nur lästig, sie zahlen lieber mit Karte, Smartphone oder Smartwatch. Sollten wir künftig nur noch bargeldlos zahlen? Auch in unserer Redaktion gibt es dazu geteilte Ansichten.

Pro bargeldloses Zahlen

Von Konrad Busen

Mein Vater ist vor ein paar Jahren gestorben, mit weit über 80. Bis zum Schluss holte er Bargeld nur am Schalter. Nutzte keinen Geldautomaten, bezahlte im Geschäft nie mit der Karte. Allein DESWEGEN muss ich dafür sein. Schon aus Opposition zur Generation vor mir.

Aber mal ernsthaft: Zahlen mit Karte, Handy oder im Internet bargeldos per Schnell-Überweisungsdienst, das ist einfach und praktisch. Und auch sehr sicher, denn von massiven Betrügereien ist wenig zu hören. Zudem hat die Digitalisierung das Bezahlen massiv günstiger gemacht. Finanztransaktionen sind heute viel, viel billiger als früher, schon allein, weil viel weniger Menschen für sie gebraucht werden.

Ein Problem könnte sein, dass Menschen den Überblick verlieren mit dem bargeldlosen Zahlen. Bei so vielen Karten und Bezahlsystemen, da kann man leicht über seine Verhältnisse leben und die Ausgaben entgleisen. Das aber ist die Verantwortung jedes Einzelnen, deswegen auf digitale Entwicklung und Innnovation beim Bezahlen verzichten? Außerdem: Die monatliche Abrechnung für die Karte, das ist doch eine super Übersicht über meine Ausgaben, fast schon ein digitales Haushaltsbuch.

Schade nur, dass die Innovationen oft nicht von denen kommen, von denen sie kommen müssten. Alles in den letzten Jahren, ob Paypal, Google, Apple Pay, nicht die Banken und Sparkassen in Deutschland waren Treiber dieser Innovationen, sie haben sich treiben lassen. Ich aber fände es gut, wenn meine Sparkasse in Finanzdingen ganz vorne mitspielt, auch was Innovationen angeht. Und ich fände es gut, wenn Deutschland beziehungsweise Europa die Richtung vorgeben würden, nicht amerikanische Großkonzerne.

Contra bargeldloses Zahlen

Von Claudia Wehrle

Zugegeben, mit einer EC-Karte bezahlen – das ist praktisch! Vor allem, wenn es um größere Beträge geht. Ich weiß, dass in vielen skandinavischen Ländern oder in den USA ohne Karte gar nichts mehr geht. Aber: Immer mit Karte bezahlen? Für drei oder vier Brötchen beim Bäcker? Für Zwiebeln und Kartoffeln vom Wochenmarkt oder für ein paar Briefmarken?

Ich habe immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass EC-Karten nicht überall akzeptiert werden. Schließlich kostet das die Händler Geld. Da fallen Mieten für das Kartenlesegerät an und Servicegebühren und Kosten für die einzelnen Transaktionen. Ob das wirklich so viel billiger ist für Händler als Bargeld zu managen?

Und was mich selbst betrifft: Ich möchte den Überblick behalten, wie viel Geld ich ausgebe. Beim bargeldlosen Bezahlen ist das nun mal schwierig. Wenn ich beim Friseur oder im Restaurant Trinkgeld geben möchte, soll ich das überweisen? Ehrlich, dabei habe ich ein komisches Gefühl. Auch Geldgeschenke für Kinder oder Enkel. Ich persönlich stecke das Geld lieber in einen Umschlag oder bastle eine schöne Verpackung drum herum.

Vielleicht hört sich das alles altmodisch an. Ich möchte auf meine EC-Karte auch nicht verzichten. Aber etwas Bargeld in der Tasche haben, das ist mehr als ein Anspruch, den ich gegenüber der Bank habe. Das ist Geld, das ist wirklich habe. Das finde ich schon gut!

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 07.05.2021, 12-15 Uhr

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