Frau im Homeoffice

In der Corona-Krise hat sich gezeigt, was vergangenes Jahr noch undenkbar gewesen wäre: Viele Menschen im Homeoffice bringen die Wirtschaft nicht zum Erliegen. Nun fordert Arbeitsminister Hubertus Heil ein Recht auf das Arbeiten von zu Hause aus. Ist das sinnvoll?

Pro: Ein Gesetz gegen die Willkür

von Kilian Pfeffer

Ja, wir brauchen ein Recht auf Homeoffice. Man sollte es nicht für möglich halten, aber wenn man die Idee "Mobiles Arbeiten" beim Arbeitgeber anspricht, dann gibt es immer noch Unternehmen, die sagen: 'ne, will ich nicht. Interessiert mich auch nicht. Und damit basta.' Da kann man noch so gute Argumente parat haben. Und gegen diese Art von Willkür braucht man eben ein Gesetz.

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Mann betreut sein Kind während er im Homeoffice arbeitet
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Natürlich gibt es Berufe, da ist das schlichtweg nicht möglich. Ein Bäcker kann die Ware nicht zu Hause herstellen, schon klar. Aber Corona hat gezeigt: Es geht sehr viel mehr als bisher gedacht. Und es gibt auch die andere Seite der Medaille. Auch mobiles Arbeiten braucht Regeln. Die Arbeitszeitgesetze dürfen nicht plötzlich ausgesetzt sein, nur weil man nicht im Büro ist. Es muss geregelt werden, dass man um 22 Uhr keine Mails mehr beantworten muss, nur weil man im Homeoffice ist.

Und mit diesem Gesetz kann man auch nicht gezwungen werden, für immer dem Büro fernzubleiben. Weil den Arbeitgebern vielleicht die Idee gut gefällt, dass sie keine Büromiete mehr zahlen müssen. Es geht um 24 Tage Rechtsanspruch – das ist kein monströs langer Zeitraum. Aber: Wenn es für beide passt, dann können sie auch mehr vereinbaren.

Contra: Sache der Tarifautonomie

von Uwe Lueb

Homeoffice oder nicht – das ist Sache der Tarifautonomie von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ein gesetzlicher Anspruch auf mindestens 24 Tage Heimarbeit im Jahr greift in diese Tarifautonomie ein. Und schafft neuen bürokratischen Aufwand. Doch davon haben Arbeitgeber beileibe schon genug. Und wie viel neue Bürokratie auf die Unternehmen zukäme, kann man sich leicht ausmalen.

Sollen etwa nicht alle Mitarbeiter eines Teams gleichzeitig im Homeoffice sein, muss ein Einsatzplan fürs Personal her. Dazu kommt: Was ist mit Arbeitnehmern, die vielleicht gar nicht zu Hause arbeiten wollen? Wenn Arbeitgeber 24 Tage Homeoffice ermöglichen müssen, werden sie ihren Raumbedarf anders kalkulieren, um zu sparen. Wer nicht ins Homeoffice will, muss es dann vielleicht.

Auch Heil weiß, dass sowieso nicht alle Tätigkeiten fürs Homeoffice geeignet sind. Aber es wird auch Grenzfälle geben. Nicht jede Firma, die theoretisch könnte, möchte Homeoffice anbieten. Das dann zu begründen, ist der nächste bürokratische Akt. Ein Recht auf Homeoffice riecht zu sehr nach Regelungswut und zu wenig Vertrauen in die Tarifpartner.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 05.10.2020, 15 bis 18 Uhr

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