Eine Frau bekommt eine Corona-Impfung in den linken Oberarm gespritzt.

Etwa 85 Prozent der Deutschen müssen bis Herbst gegen Corona geimpft sein, um eine vierte Welle zu verhindern. Um mehr Menschen für eine Impfung zu begeistern, wird auch über Anreize nachgedacht. Doch nicht alle halten das für eine gute Idee.

Pro Impf-Anreize

Von Gabriele Intemann

Die Impfquote steigern durch Anreize? Vielleicht sogar durch Geld- oder Sachprämien? Ja warum denn nicht, wenn es hilft?

Das Robert-Koch-Institut hat gerade ausgerechnet, dass sich von den 12- bis 60-Jährigen wegen der Delta-Variante ganze 85 Prozent impfen lassen müssen. Nur dann steigen die Zahlen im Herbst nicht so stark, dass die Krankenhäuser belastet werden.

85 Prozent, das ist verdammt viel. Im Moment haben wir noch nicht einmal die Hälfte davon geschafft. Es ist also noch ein weiter Weg bis zur Herdenimmunität. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich manche gar nicht impfen lassen können, zum Beispiel weil sie schwanger sind oder krank, und sich immerhin 16 Prozent auf gar keinen Fall impfen lassen wollen. Dann nämlich wird klar: Es müssen sich im Prinzip alle impfen lassen, die nicht vollkommen dagegen sind. Wenn da manche einen kleinen Schubs brauchen, warum denn nicht zusätzlich motivieren?

Eine Studie der Humboldt-Uni hat vor wenigen Wochen gefragt, was die Unentschlossenen umstimmen könnte. Das Ergebnis: Es gibt mehrere Hebel, um die Impfquote zu steigern. Einer davon: finanzielle Anreize. Das soll rund fünf Prozent bringen.

Was das im Einzelnen sein kann, hängt sicherlich von der Zielgruppe ab. Die einen mag direkt Geld oder ein Gutschein motivieren, die anderen sind vielleicht eher für Konzert- oder Festival-Karten empfänglich. Und auch eine Lotterie mit Sachpreisen wird sicherlich den einen oder anderen bewegen, sich der Spritze zu stellen. Alles besser, als nichts zu tun.

Contra Impfanreize

Von Anne Baier

Was für eine absurde Idee: Da bekommen die Menschen kostenlos eine Impfung und sollen darüber hinaus auch noch belohnt werden, wenn sie sich für eine Impfung entscheiden.

Die USA und Israel haben es vorgemacht. Da gab es für Unentschlossene Lotterie-Scheine, Stipendien, Gutscheine für Restaurants oder Museen oder – wie in New York – sogar kostenlose Joints. Warum nicht gleich eine Reise? Oder ein Auto?

Das ist nicht nur ungerecht - denn Pech für alle, die schon geimpft sind – sondern das ist vor allem eines: überflüssig. So kommt zum Beispiel eine Studie aus den USA, die die Impfquote vor und nach der Einführung der Lotterie verglichen hat, zu dem Ergebnis: Ein Effekt der Lotterie ist nicht feststellbar. Das heißt, durch solche Anreize lässt sich kaum ein Impfmuffel hinter dem Ofen hervorlocken.

Jeder und jede ist selbst dafür verantwortlich, sich gesund zu halten. Dazu zählt auch die Entscheidung, sich impfen zu lassen oder nicht. Nur wer einsieht, dass eine Impfung vor der Krankheit schützt – und zwar sich und alle anderen – lässt sich impfen.

Hinzu kommt: Es darf nicht zu kompliziert sein, denn die Menschen sind einfach bequem. Das bedeutet: Um die Impfquote weiterhin zu steigern, braucht es Aufklärung, es braucht möglichst unkomplizierte und Wohnort-nahe Impfmöglichkeiten und last but not least braucht es gesicherte Kenntnisse darüber, ob eine Impfung von Jugendlichen und letztendlich auch Kindern zu empfehlen ist.

Denn nur damit kommen wir der Herdenimmunität ein gutes Stück näher – und nicht mit absurden Geschenken.

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