Lehrerin geht mit Maske durch die Reihen

Als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus haben Unionspolitiker eine Verlängerung der Weihnachtsferien an den Schulen vorgeschlagen. Die Ferien im Sommer könnten entsprechend gekürzt werden. Die Idee stößt allerdings auf geteiltes Echo - auch in der hr-iNFO-Redaktion.

Pro: Eine Idee, über die man nachdenken sollte

Von Anne Baier, hr-iNFO-Politikredaktion

Ich kann die Überlegung, die Schulen nach den Winterferien länger zuzumachen, durchaus verstehen, und zwar aus einem einfachen Grund: Wie sollen Kinder sechs Stunden und länger in kalten Räumen sitzen und lernen? Es ist jetzt schon so, dass meine 13-jährige Tochter überlegt hat, einen Taschenwärmer oder eine Wärmflasche mitzunehmen, weil es ihr vor allem in den ersten Stunden manchmal schwerfällt, mit klammen Fingern zu schreiben. Und wie soll das erst im Winter werden?

Der Philologenverband rät: 'Tragt dicke Kleidung!' und 'Lüften, lüften, lüften!' Alle 20 Minuten mindestens drei Minuten lang, so hat es die Kultusministerkonferenz Ende September empfohlen. Ja, das ist sicherlich auch richtig. Aber alle 20 Mintuen lüften bedeutet auch: Unterricht unterbrechen, alle Jacken an- und wieder ausziehen, denn in den Lüftungspausen kann eine Daunenjacke dann auch schnell mal zu warm werden. Gerade in Grundschulen kann das An- bzw Ausziehen dann auch eine massive Störungsquelle sein.

Mal abgesehen davon: Es gibt sogar Klassenzimmer, die lassen sich gar nicht lüften. Da geht das Konzept von vornherein gar nicht auf. Klar ist es das kleinere Übel, mit Jacke und Schal im Unterricht zu sitzen als sich zu infizieren, aber ich frage mich, ob es nicht tatsächlich sinnvoller wäre, die Schulen - und zwar bundesweit - nach den Weihnachtsferien etwas länger zu schließen, denn Ferien planen und auch eventuell wegfahren ist in diesen Zeiten sowieso nicht wirklich möglich. Und Lüften lässt es sich im April, wenn Osterferien sind, oder auch im Sommer wesentlich einfacher.

Was auch dafür spricht: Wenn man mindestens drei Wochen Ferien macht und die Kinder dann auch nicht in die Horte gehen, hätte man zumindest bei den Grundschulkindern relativ sicher mögliche unerkannte Infektionsketten gebrochen. Es ist zumindest eine Idee, über die es sich lohnt nachzudenken. Vielleicht dann, wenn die Herbstferien vorbei sind.

Contra: Keine unüberlegten Schnellschüsse!

Von Andreas Meyer-Feist, hr-iNFO-Studio Wiesbaden

Wer entscheidet über die Ferien? Die Länder. Und das ist schon kompliziert genug. Noch komplizierter braucht es kein Mensch, wir wissen doch schon jetzt nicht mehr, wohin wir noch reisen können. Und bald auch nicht mehr wann.

Erst gibt es ein Beherbergungsverbot und jetzt auch noch Ferienzeiten-Chaos. Viel Spaß beim Buchen des Familienurlaubs, wenn es dann im Sommer heißt: 'Ätsch, zwei Wochen kürzer! Dafür hatten es die Kinder doch mollig warm im Winter.' Zumal die Sommerferien-Termine drei bis vier Jahre vorher von der Kultusministerkonferenz festgelegt werden, die stehen also längst. Drumherum können die Länder machen was sie wollen, ihre eigenen Ferien planen – sonst nichts. Bedeutet: Wenn ein Land die Weihnachtsferien verlängert, heißt das nicht, dass im Sommer gekürzt werden darf.

Der Vorschlag ist also eine Mogelpackung. Wenn schon Ferienreform, dann richtig – und nicht wegen Corona. Sollen Bayern und Baden-Württemberg lieber mal auf ihre überlangen Pfingstferien verzichten. Deswegen sind die Sommerferien da immer spät und bei den anderen früh. Warum eigentlich? Das Fass kann man aufmachen. Aber bitte keine unüberlegten Anti-Corona-Schnellschüsse!

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 13.10.2020, 15 bis 18 Uhr

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