Geschenke liegen unter einem Weihnachtsbaum

Wie eine Familie Weihnachten feiere, gehe den Staat nichts an, sagte Friedrich Merz dem "Tagesspiegel". Und meint damit: keine Vorgaben der Regierung zur Personenzahl. Hat er recht? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

Pro: Keine Vorschläge in Richtung Überwachungsstaat!

Von Alfred Schmit, Studio Berlin

Wen die Menschen zu Weihnachten treffen wollen, das sollte Privatsache sein. Da hat der Staat nichts mitzureden. Gerade an dieser Stelle sollte die Politik darauf vertrauen, dass wir uns alle verantwortungsvoll benehmen. Niemand will doch gezielt oder fahrlässig die eigene Gesundheit oder die seiner Mitmenschen gefährden. Außerdem sind Familien von heute oft nicht mehr so gestrickt wie früher, nach dem Muster "Vater, Mutter, Kind". Patchwork-Familien sind häufig, und das ist ja auch gut so.

Mehr als fünf Leute sind auch schnell beisammen, wenn man den Begriff der Familie daran ausrichtet, was heute Realität ist. Da müssen dann alle selbst wissen, was sie tun sollten, um gesund zu bleiben. Die führenden Köpfe in Bund und Ländern sollten nicht bis ins Weihnachtsfest hinein bestimmen wollen. Corona-Regeln, die nicht sinnvoll sind, werden ohnehin nicht akzeptiert, sondern die Leute umgehen sie irgendwie. Also: Bitte keine Vorschläge, die in Richtung Überwachungsstaat gehen. Das Gleichgewicht von Einschränken und Erlauben könnte sonst auch kippen. Das würde die Akzeptanz der Maßnahmen insgesamt gefährden.

Contra: Die Aufgebrachtheit ist daneben

Von Uwe Lueb, Studio Berlin

Mag sein, dass Friedrich Merz sich wirklich empört. Aber seine Aufgebrachtheit ist daneben. Der Staat schreibt nämlich niemandem vor, wie er Weihnachten feiern soll – etwa mit Lesen der biblischen Weihnachtsgeschichte oder ohne, ausgelassen oder besinnlich, mit Gans oder vegetarisch. Alles, worum es geht, ist möglicherweise eine Obergrenze für mitfeiernde Personen und die Zahl der beteiligten Haushalte. Das kann der Staat, also können die Regierungen und ihre Behörden, uns inmitten der Pandemie vorschreiben.

Wenn die Infektionszahlen sich auf hohem Niveau einpendeln und nach drei Wochen Teillockdown nicht spürbar sinken, müssen die Einschränkungen eben länger gelten. Gefallen findet daran niemand. Und wenn nun einmal Weihnachten in eine solche Phase fällt, dann ist das Zufall. Mit dem vermeintlichen Drang eines regelwütigen Staates, nun auch noch bestimmen zu wollen, wie die Menschen ihr liebstes Christen- und Familienfest feiern wollen, hat das nichts zu tun.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 23.11.2020, 12 bis 15 Uhr

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