Verkehr zwischen Hochhäusern
Zwischen den gläsernen Türmen in der Frankfurter Innenstadt könnten Fahrradfahrer bald freie Fahrt haben. Bild © picture-alliance/dpa

Frankfurt tut zu wenig für die Verkehrswende. Das findet zumindest die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, die jetzt vorschlägt, die Innenstadt für Autos zu sperren. hr-iNFO hat Gründe für und gegen den Vorschlag gefunden.

Pro autofreie Innenstadt

Von Vanessa Renner

Keine Autos in der Frankfurter Innenstadt, oh mein Gott! Also jetzt mal ehrlich: Meiner Meinung nach gibt es Schlimmeres, als in Frankfurt sein Auto stehen lassen zu müssen. Nahverkehr, "Park and Ride", Fahrrad, E-Roller – die Bürger, die in einer Großstadt leben, haben doch so viele Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Sogar E-Autos mit ihren kurzen Reichweiten und langen Ladezeiten, die es jetzt schon gibt, wären für den Stadtverkehr erst einmal ok.

Und die Frankfurter Innenstadt ist doch so klein, dass man sogar zu Fuß noch relativ weit kommen würde. Es geht, in der Stadt kann man auch ohne Auto überleben. Und Pendlern ist es auch zuzumuten, an der Stadtgrenze auf ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel umzusteigen.

Doch leider sind wir zu bequem und zu festgefahren in unseren Köpfen. Wir brauchen auch radikalere Lösungen wie eine autofreie Innenstadt, denn sonst wird sich nie etwas ändern. Wer nichts an seinem Verhalten ändern muss, der wird das auch in der Praxis nicht tun.

Die Stadt sollte alles tun, um die Menschen vom Auto weg zu bekommen. Und momentan habe ich in Frankfurt eher das Gefühl, dass die Stadt mit ihrer Politik alles tut, um die Leute vom Fahrradfahren abzuhalten.

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Contra autofreie Innenstadt

Von Peter Alexander Rothkranz

Ich halte eine komplette Sperrung der Innenstadt für unsinnig. Weil es die Automobilindustrie nur schleppend schafft, umweltfreundlichere Motoren zu entwickeln, werden jetzt wieder die Autofahrer gegängelt.

Das Problem liegt doch nicht allein auf der Straße, sondern in der Luft. Die Fraport meldet Rekordzahlen, was das Passagieraufkommen anbelangt. Mit anderen Worten, der Himmel über Frankfurt ist voller Kerosin betriebener Flugzeuge. Ob es dann wirklich gravierend bessere Luftverhältnisse gibt, wenn 500 Meter weiter unten der Autoverkehr auf wenige Quadratkilometer gestoppt wird? Das wird sogar von Experten angezweifelt.

Natürlich sollte sich auch jeder selbst an die Nase fassen und hinterfragen: muss die 500 Meter lange Fahrt zum nächsten Bäcker oder Metzger wirklich sein oder kann man das nicht auch zu Fuß, mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen.

Eine Zwischenlösung kann es in meinen Augen auch nicht sein, eine Gebühr zu verlangen, wenn man in die Stadt reinfahren will. Wie es seit 2003 zum Beispiel in London mit der City-Maut der Fall ist. Dann sind wieder die Menschen geprellt, die ein geringes Einkommen haben. Da finde ich schon besser, was gerade in Frankreich ausprobiert wird. In der Stadt Begles gilt seit wenigen Tagen Tempo 30. Also im gesamten Stadtgebiet. Das schont die Umwelt und außerdem soll das die Unfallwahrscheinlichkeit reduzieren, so der dortige Bürgermeister.

Und selbst wenn die Stadt autofrei wäre, der Rhein-Main-Verkehrsverbund könnte gar nicht so viele Bahnen und Busse zusätzlich einsetzen, um die Menschen zu transportieren.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.07.2019, 15-18 Uhr

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