Hochgestellte Stühle in einem Klassenzimmer

Bundestagspräsident Schäuble plädiert für eine Verkürzung der Ferien, damit die Schüler den versäumten Stoff nachholen können. Eine gute Idee? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht.

Pro: Pädagogisch sinnvoll

Von Andreas Reuter

In all dem Corona-Elend wäre das mal eine gute Nachricht: Verkürzt die Sommerferien. Groß verreisen können wir ja doch nicht, die Urlaubstage haben viele sowieso schon verbraten fürs Home-Schooling und die Kinderbetreuung daheim. Dann bleibt es uns auch erspart, im Frühsommer gebannt auf die Nachrichten zu starren - starren, ob man nun vielleicht wieder ins Ausland darf, in welches Land dann bitte, ob schon wieder Flugzeuge fliegen, ob Swimming Pools benutzt werden dürfen, Freizeitparks und Sehenswürdigkeiten geöffnet sind und und und.

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Zum Artikel Lehrerverband: kürzere Sommerferien "ein spannendes Modell"

Edith Krippner-Grimme
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Nur eines ist sicher: Diese Sommerferien werden anders. Und ich für meinen Teil finde: Lieber weniger davon. Und pädagogisch sinnvoll wäre das allemahl. Landauf landab denken die Schulen darüber nach, wie man wieder Unterricht machen soll, mit kleineren Klassen, weniger Kindern in den Schulen, Unterricht im Schichtbetrieb. Mancher Schulleiter wäre da sicher froh, ein paar Wochen mehr Spielraum zu haben, um viel Stoff in wenig Zeit zu pressen. Kürzere Sommerferien - das müsste nämlich heißen, erst später in die Ferien. Lehrer und Schüler können dann versuchen, etwas von dem nachzuholen, was anfangs im Corona-Chaos liegengeblieben ist. Und den Eltern gibt das zwei oder drei Wochen mehr Zeit, den Rest der Ferien vielleicht doch noch gut zu verplanen.

Contra: Gerade nach Corona brauchen wir Erholung

Von Uwe Lueb

Die Logik ‚Was jetzt ausfällt, holt man später nach‘ klingt theoretisch nachvollziehbar. Aber das echte Leben ist wie so oft komplexer und komplizierter. Viele Familien hoffen noch auf gemeinsamen Sommerurlaub, der zum Teil auch schon längst geplant, gebucht und bezahlt ist. Die Entwicklung der Corona-Zahlen macht Mut, dass das im Juli oder August auch klappt. Oder die Corona-Entwicklung erlaubt wieder Besuche bei den Großeltern, in ländlichen Gebieten helfen Kinder und Jugendliche zudem bei Ernten, wofür dann Zeit fehlen könnte.

Sicher: Etliche Eltern haben ihre Konten wegen Corona überstrapaziert und für sie wäre die Frage der Betreuung ihrer Kinder im Sommer dann einfacher zu beantworten. Aber Ferien sind nicht nur organisatorische Herausforderungen, sie sind in erster Linie frei zu gestaltende Zeit für Kinder und Erwachsene. Und gerade nach den Einschnitten durch Corona wäre es für alle gut, wenn sie sich erholen könnten. Dazu kommt: Die Länder müssten entscheiden. Schon jetzt sind sie sich aber nicht einig, wann welche Art Schulbetrieb wieder losgehen soll. Und ein Ferienlängen-Flickenteppich wäre so ziemlich das Letzte, was wir brauchen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 17.4.2020, 15 bis 18 Uhr

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