Allianz Arena in München in Regenbogenfarben

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden. Die UEFA lehnte einen Antrag des Münchner Stadtrats ab, der das Signal für Toleranz und Gleichstellung gefordert hatte. Eine richtige Entscheidung? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Ist die Entscheidung der UEFA nachvollziehbar oder nicht? Unsere Autoren sind geteilter Ansicht. Was denken Sie? Über das Kommentarfeld am Ende des Artikels können Sie uns Ihre Meinung schreiben!

Pro: Politische Aktionen haben im Stadion nichts zu suchen

Von Bernd Rothenberger

Von Hanns-Joachim Friedrichs stammt der berühmte Satz, dass sich der Journalismus niemals mit einer Sache gemein machen sollte – auch nicht mit einer guten. Ich denke, dass der Sport gut daran tut, es ähnlich zu halten. Die Aktion mit der bunt illuminierten Fußball-Arena hätte auf den ungarischen Präsidenten und dessen schwulenfeindliche Politik abgezielt. Mit der ungarischen Nationalmannschaft, die bei uns zu Gast ist und eigentlich nur Fußball spielen will, hätte sie aber überhaupt nichts zu tun gehabt. Sollte die deutsche Nationalmannschaft in Ungarn zu Gast sein, wie fänden wir dann eine Aktion im Stadion, die ein Zeichen gegen die deutsche Migrationspolitik setzt? Oder bei einem Spiel in Polen eine Aktion, um Deutschlands Abtreibungsgesetzgebung anzuprangern? Unvorstellbar? Ja. Aber beim Kampf um den Regenbogen soll es erlaubt sein, um Viktor Orban damit auf den rechten Weg zu führen – oder zumindest, um der Welt zu zeigen, dass man verstanden hat und dass man besser ist. Mit der gleichen Denkweise hat Greenpeace zuletzt einen Gleitschirmflieger in die Münchner Arena geschickt. Eine Aktion, die im wahrsten Sinne des Wortes abgestürzt ist.

Der Sport ist eines der letzten gesellschaftlichen Felder, das die Menschen – und zwar alle Menschen weltweit – tatsächlich vereint. Je mehr politische Debatten da Einzug halten, umso mehr wird auch der Sport spalten. Und wer will allgemeingültig festlegen, was eine notwendige und nützliche Debatte ist und was nicht? Was auch immer der Grund dafür ist, dass sich die UEFA dagegen entschieden hat, das Münchner Stadion bunt leuchten zu lassen – manche unterstellen ja, dass sie Orban nicht verärgern wollte: In diesem Fall war die Ablehnung richtig. Und vielleicht sollten wir uns erst mal noch ein bisschen um Homophobie und Rassismus im eigenen Land kümmern, bevor wir bei einem internationalen Turnier plakativ auf andere Länder zeigen. Im Stadion jedenfalls haben politische Aktionen nichts zu suchen.

Contra: Ein Eigentor der UEFA

Von Nicholas Buschschlüter

Eigentore sind ja 'in' bei dieser EM, diesmal hat die UEFA selbst eins geschossen. Denn genau ein solches ist das Verbot an die Stadt München, das Stadion nicht in Regenbogenfarben anzustrahlen. Es sollte ein Signal sein gegen die homophobe Politik Ungarns und ein Zeichen des Respekts und der Akzeptanz. Wenn für dieses Verbot wirklich der politische Kontext ausschlaggebend ist, wie die UEFA sagt, was ist dann mit all den anderen politischen Aktionen, die Spieler im Kampf gegen Rassismus oder für Gleichbehandlung auf dem Platz durchführen? Zum Beispiel der Kniefall vieler Spieler in Solidarität mit der Black Lives Matter Bewegung? Oder die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Manuel Neuer? Die Armbinde hatte die UEFA noch am Sonntag als "good cause", als Zeichen für Vielfalt, bewertet. Und war es nicht die UEFA, die in ihrer eigenen Equalgame-Kampagne Fans, Spieler, Klubs und Nationalverbände aufruft, Diskriminierung nicht zu tolerieren und zu bekämpfen? Wenn dazu nicht auch der Kampf gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und transsexuellen Menschen gehört, kann sie diese Kampagne doch gleich in die Tonne treten.  

Statt also klare Haltung zu zeigen und ein Zeichen gegen Intoleranz und Homophobie zu setzen, schafft die UEFA lieber eine Lex Ungarn. Das gilt im Übrigen auch für das volle Stadion in Budapest trotz Corona-Pandemie. Das Verbot ist ein weiterer Kniefall vor der Regierung von Viktor Orban. Diesen Schuss oder Pfiff will die UEFA einfach nicht hören.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.6.2021, 15 bis 18 Uhr

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6 Kommentare

  • Ich möchte Mal nachfragen, ob die UEFA überhaupt ein Recht hat, diese Entscheidung zu treffen? Hätte das nicht der Hausherr der Arena haben müssen? - Die UEFA Entscheidung ist wohl nicht mehr zeitgemäß.

  • Politik hat im Sport nichts zu suchen!!; Punkt

    Die UEFA hat genau richtig entschieden, es geht hier um die Leistung einer Mannschaft und nicht um deren politische Entscheidung.

    Warum sollte die UEFA so etwas erlauben?
    Logisch gedacht, hat sie die Armbinde als
    gut befunden, was ja wohl bedeutet, daß es nicht um die Bedeutung der Regenbogen-Fahne als solches geht! Sie hat lediglich die Regenbogen-Beleuchtung als Provokation untersagt. Hätte man das Stadion bei allen Spielen bunt beleuchtet, hätte die UEFA es eventuell nicht verboten, da es dann ein grundsätzliches Statement gewesen wäre.

    Deutschland sollte sich nicht ständig als das Vorbild hinstellen und mit dem Finger auf andere zeigen. Denn es ist zum Inbegriff für Zensur, Gleichmachung und Meinungsdiktatur geworden.
    In den sozialen Netzwerken wird suggeriert,wenn man diese heuchlerische Regenbogenaktion nicht unterstützt ist man intolerant und dagegen. Diese Aktion verursacht eine weitere Spaltung der Gesellschaft, nein danke.

  • Der Antrag an die UEFA hat ausdrücklich auf die ungarische Politik Bezug genommen, damit mußte der Antrag abgelehnt werden. Wo kommen wir hin, wenn politische Diskussionen ab jetzt über den Fußball ausgetragen werden; die Unbefangenheit wäre erledigt, Gegenreaktionen vorprogrammiert; der nächste Schritt wären Boykotte.

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