Gerald Klamer

Seit Februar wandert Gerald Klamer durch Deutschlands Wälder. Mit seiner 6.000-Kilometer-Tour kreuz und quer durchs Land will er aufmerksam machen auf den Zustand des Waldes. Dass es dem nicht gutgehe, habe sich rumgesprochen, sagt der Förster. Doch das Ausmaß erlebe man nur unterwegs.

"Wildschweine sind öfters in der Nacht bei mir vorbeigekommen, auf dem Darß an der Ostsee, da war gerade Hirschsprung", erzählt Gerald Klamer. Einmal sei er nachts um vier wachgeworden, weil neben ihm etwas tappelte, sein Nachtlager bestand nur aus einer Matte. "Es war ein Rothirsch, der hat dann auch ein paar Meter weiter gebrüllt und ist dann auch weiter."

Eine Matte im Wald als Nachtlager

Für uns Normalsterbliche wäre das Abenteuer an der Stelle wohl beendet. Für Gerald Klamer aber ist das Faszination pur. Alles, was der 54-jährige Förster erlebt hat auf seiner Wanderung durch deutsche Wälder, 6.000 Kilometer kreuz und quer durchs Land, von Marburg zurück nach Marburg, reduziert auf das Nötigste.

"Ich schlafe nachts tatsächlich überwiegend im Wald", erzählt er. "Ich habe kein Zelt, Zelten im Wald ist ja verboten. Wenn es so schönes Wetter ist wie jetzt, habe ich einfach nur eine Matte und habe dann praktisch die Sterne und das Himmelszelt als Dach über mir." Und wenn es so richtig pläddert, hat er eine Plane, unter die er kriecht.

Ausmaß erlebt man nur unterwegs

Waldbegeisterung, so nennt Gerald Klarmer sein Projekt. Seit dem 26. Februar ist er unterwegs. Wir begleiten ihn auf der letzten Etappe in Nordhessen, wollen wissen, was ihn antreibt, so eine Strapaze auf sich zu nehmen. "Naja", sagt er, "schau dir den Wald an, dass es dem nicht gut geht hat sich inzwischen rumgesprochen. Nur das Ausmaß, das erlebst du unterwegs." Mittendrin statt nur dabei.

"Man vergisst ja schnell", sagt Klamer, "aber die Jahre von 2018 bis 2020 waren echte Dürrejahre." Danach hätten alle Waldbaumarten gelitten. Besonders betroffen sei die Fichte gewesen, die auch auf großer Fläche abgestorben sei. Man schätze ungefähr 300.000 Hektar, eine riesige Fläche, in etwa so groß wie der Staatswald in Hessen. "Und wenn das unsere heimischen Baumarten auch so erwischt, dann tut mir das schon besonders weh."

Ein Zeichen setzen

Darauf will er aufmerksam machen und auch Anstöße geben, was man ändern kann. Viele Forstämter setzen inzwischen auf Baumarten, die eher im Süden zu Hause sind und mit dem Klimawandel und höheren Temperaturen gut klarkommen. Das muss aber gar nicht sein, findet Gerald Klamer: "Gerade die Eiche ist eine Baumart, die mit Trockenheit gut zurecht kommt und die also auch an den Klimawandel letzten Endes ganz gut angepasst ist."

Auch dafür soll die 6.000 Kilometer-Wanderung ein Zeichen setzen - mutiger zu sein, erklärt der Förster, während er flotten Schrittes weitergeht Richtung Marburg, dem Ziel. Der Wald, erzählt er, ist seine große Leidenschaft. Und was für ein perfekter Ort, um alle Sinne zu schärfen. Nicht nur, was man sieht: "Gerüche und Geräusche spielen auch eine große Rolle", sagt Klamer, "im Frühjahr natürlich der Vogelgesang im Wald, auch nachts besonders schön, wenn eine Eule ruft und ja, ganz viele verschiedene Dinge."

"Der Wald ist unsere Lebensgrundlage"

Klar, sagt er, so eine Gewalttour durch Deutschlands wilde Wälder finde schwerlich Nachahmer. Aber seit dem Start vor gut acht Monaten hat Klamer seine Erlebnisse in einem Blog im Internet veröffentlicht, für jedermann nachzulesen. Waldbegeisterung, so heißt er, soll gerne ansteckend sein.

Er versuche, mit seinen Projekten einen kleinen Beitrag zu leisten - auch dafür, dass das Problem noch tiefer ins Bewusstsein ginge. Und vielleicht, so hofft er, könne er auch eine kleine Veränderung anstoßen. "Letzten Endes geht es ja nicht nur um den Wald. Es geht um uns. Der Wald ist unsere Lebensgrundlage. Und wenn es um den schlecht bestellt ist, dann geht es uns vielleicht auch in Zukunft nicht mehr ganz so gut."

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