Regeln für Auslandsreisen innerhalb der EU

Die Reisewarnungen für EU-Staaten sind aufgehoben. Für viele eine freudige Botschaft nach monatelanger Urlaubssperre. Doch wer keine Lust auf Urlaub unter Corona-Bedingungen hat, sollte lieber zu Hause bleiben, meint unser Kommentator.

Reiseweltmeister aufgepasst. Ab heute dürft ihr wieder. Zumindest ein bisschen. Reisen. Urlaub in der EU. Jetzt geht’s los. Oder? Aber was ist Urlaub in Coronazeiten? Haben wir genug Masken dabei? Ist die Handdesinfektion im Handgepäck. Was heißt eigentlich Halsschmerzen auf französisch? Was Fieber auf spanisch? Muss ich in Rom im Bus meine Maske tragen? Funktioniert meine Corona-App auch in Kroatien?

Das sind so Fragen, die vor einem halben Jahr niemand verstanden hätte. Was ist Urlaub in Coronazeiten? Sicher nicht Ballermann dichtgedrängt. Aber ein bummsvoller Urlaubsflieger ohne Abstand dann doch? Weil das ja alles gar nicht gefährlich ist und die Klimaanlage all die bösen Aerosole absaugt und weil ja alle brav Masken tragen? Und überhaupt. Draußen am Strand. Alles halb so wild. Oder? Urlaub in Coronazeiten.

Es geht um Geld

Holt mich eigentlich jemand nach Hause, wenn ich in Slowenien Corona kriege? Das Pauschalangebot aus der Türkei ist so billig, dass Außenminister Maas mit seiner bestehenden Reisewarnung wie ein piesepampeliger Spielverderber daherkommt. Was, wenn Heiko Maas, den der türkische Präsident Erdogan ja einst einen Dilettanten nannte, der seine Grenzen nicht kenne – was wenn dieser Maas jetzt bald sagt, die Grenzen zur Türkei sind für deutsche Touristen wieder offen, weg mit der Reisewarnung. Was sagen dann Ägypten, Tunesien, Marokko? Allesamt warten sie auch auf deutsche Touristen, allesamt wollen sie so schnell wie möglich runter von der Liste der reisewarnungsgebranntmarkten Länder. Es geht um Geld. Um Umsatz. Es geht auch um Existenzen vor Ort.

Corona-Urlaubsgrüße

Aber was passiert wohl, wenn die erste Maschine aus einem wieder geöffneten Reiseland eine Ladung unentdeckter Coronapatienten nach Hause bringt und zwei Wochen später in ganz Deutschland verspätete Corona-Urlaubsgrüße die Infektionszahlen explodieren lassen? Geht dann alles wie nach Ischgl von vorne los? Grenzen dicht, Reisewarnungen. Krisensitzungen. Ballermann gesperrt. Deutsche sitzen an Traumstränden fest. Gibts dann wieder den Überbietungswettbewerb der Ministerpräsidenten. Mit Söder und Laschet als Chefcoronisten vorneweg. Kommt dann wieder die Stunde der Schlaumeier, die ja immer schon gesagt haben. Immer schon gewarnt haben.

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Zum Artikel Kommentar: Was heißt Fieber auf Spanisch?

Reisen trotz Corona
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So viel Ungewissheit war selten. Der 15 Juni. Er kann so vieles sein. Der Beginn von etwas wie Rückkehr zur Normalität. Urlaub inklusive. Aber auch der Tag, an dem das Verhängnis begann, von dem wir heute noch gar nichts ahnen. Was also ist Urlaub? Ist es der unbeschwerte Zustand, in dem der Kopf sich über Infektionsrisiko, Abstandsregeln, maskierte Kellner, rücksichtlose Touristen, desinfizierte Betten keine Gedanken machen will? Dann besser zu Hause bleiben. Für alle anderen gilt: Urlaub in Coronazeiten. „Genießen sie ihn“, sagt der deutsche Außenminister. „Aber genießen sie ihn mit Vorsicht.“

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.06.2020, 6-9 Uhr

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