Betreiber Andreas Kimmel vor seinem Restaurant "Homburger Hof"

Die Corona-Krise stellt Restaurants wie den Homburger Hof in Frankfurt vor große Herausforderungen. Gute Worte und Bestellungen aus der Nachbarschaft helfen, seit hr-iNFO vergangene Woche über den Betrieb berichtete. Doch auch das birgt Probleme, an die vor der Krise niemand gedacht hätte.

Es ist ein ungewohntes Arbeiten für Bedienung Kassandra. Statt die Bestellung wie gewohnt bei den Gästen am Tisch aufzunehmen, hat sie Telefondienst. Wer vor Corona gerne im Homburger Hof gegessen hat, bestellt jetzt Mittag- oder Abendessen telefonisch – zum Abholen.

Fürs Abholen werden die Gäste gleich sensibilisiert, was sie erwartet: Auf dem Weg zur Essensausgabe führt durch den gesamten Innenhof ein Corona-Parcours aus Bierbänken und Klebebändern. Das verpackte Essen wird dann in eine Kiste gestellt und kontaktfrei den Gästen zugeschoben. Die ersten warten schon: "Wir haben sieben Essen bestellt für die Großfamilie", sagt ein Besucher. Sie wollten die "Wirtschaft unterstützen und ein bisschen Abwechslung haben".

Verpackung gefragt wie Klopapier

Die Bestellungen laufen aktuell gut. Noch vor einer Woche hatte Wirt Andreas Kimmel das Personal auf ein Minimum runtergefahren, je eine Person in Küche und Service, jetzt beschäftigt er doppelt so viele Leute. "Wir wollen ja zuverlässig sein", sagt er. Insofern hieße es jetzt eher hochfahren als runterfahren. Aber: "Es ist halt nicht planbar", so Kimmel.

Im Moment heißt es eher durchhangeln und von Tag zu Tag denken. Und vor allem flexibel bleiben: beim Personal, beim Essensangebot, bei den Öffnungszeiten. Und bei den sonstigen Dingen, die es braucht, wenn eine Gastwirtschaft plötzlich auf Abholbetrieb umstellt: "Was das Thema Verpackung angeht, musste ich auch erst mal eruieren und dann feststellen: Oh, Verpackung ist ja gerade so gefragt wie Klopapier'", so der Gastronom. Und auch bei der Logistik und der Digitalisierung besteht Nachholbedarf, damit die Gäste irgendwann auch online bestellen können.

Durchhalten und den Mut nicht verlieren

Es gibt viel zu tun und deshalb hat Andreas Kimmel anders als viele andere Wirte noch keine Kurzarbeit für seine Mitarbeiter angemeldet. "Da sagt jeder erst mal: Bist Du verrückt? Aber solange es nicht notwendig ist, möchte ich dieses Signal auch nicht setzen", sagt Kimmel. "Hier ist es noch positiv und deswegen gucken wir auf die positive Seite."

Im Moment kommt der Wirt auf etwa 70 bis 75 Prozent seiner gewohnten Einnahmen. Wenn es so weitergeht, besteht die Hoffnung, dass sein Homburger Hof die Corona-Zeit überstehen kann. Andreas Kimmel rechnet mit drei Monaten. Solange heißt es durchhalten und den Mut nicht verlieren. Was ihm Kraft gibt, sind die Gäste, die mit guten Worten helfen - und natürlich mit Bestellungen. "Es fühlt sich wieder an wie vor zehn Jahren, als ich eröffnet habe", sagt Kimmel. "Die Energie ist wieder da und es wird auch sein Gutes haben.

Nachgefragt: Wie läuft es inzwischen im Homburger Hof?

Ende April hat unsere Reporterin Juliane Orth wieder mit Andreas Kimmel gesprochen: Wie ist die Lage im Homburger Hof inzwischen?

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.3.2020, 6 bis 9 Uhr

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